Chronik von Mahlberg und Michelsberg
Jahre 1601-1700
1607
“Die ganze hochlöbliche Clerisei, Bürgermeister und Rat, samt aller Bürgerschaft, hat sich einhellig aufgemacht und den Prozessionsgang zum Michelsberg angetreten”.
Es wurde ein Gelübde abgelegt, daß sich
die Prozession alljährlich wiederholen soll.
(Clerisei = gesamte Geistlichkeit).
1609 26. Dezember
Am St. Stephanustag erscheinen vier Personen von “Mailberg” als Vertreter von zwei Lehen und lieferten acht Malter Haber für das Rentamt.
1611
Die Auswirkung des Gelübdes von 1607 zeigt sich schon in diesem Jahre, wo sich “Die ganze Stadt Münstereifel, Mann und Frau, Söhne und Töchter, Knechte und Mägde einträchtig ihrem Schutz- und Schirmherren, dem hl. Erzengel Michael ergeben und in die Bruderschaft haben einverleiben lassen.”
1616 11. November
“Vor Schulteis und Scheffen des Gerichts zu Schoenau verkaufen die Eheleute Schops Eidam Zens und Griet dem schreuffen Peter für 200 Thaler (zu je 52 Aidus<Weißpfennig>) eine Rente von 12 1/2 Thlr. Als Unterpfand setzen sie ihre Güter auf Malberg und in der Umgegend. - Geschehen Munstereiffel, 1616 auf St. Martinstag.
Das Siegel ist abgefallen. - Außen stehen verschiedene Notizen, u.a: Schreiblhons gerechtigkeit hat Peter Schreufgen zalt mit zehn marcken.”
gez.: Philippus Koilhaß 1. Gerichtsschreiber
1617 6. April
Carl, Graf zu Manderscheid-Blankenheim, Herr zu Gerolstein (1574-1649) und dessen Gemahlin Anna Salome geborene Gräfin zu Schleiden-Virneburg verpfänden ihre großen und kleinen Zehnten zu Schönau und Mahlberg samt zugehörigen Hofgütern und Gefällen den Eheleuten Johann und Susanna Hilgers zu Münstereifel für 1000 Königs- oder Philippsthaler und 1500 Reichsthaler mit Benutzung des Pfandes statt Zinszahlung.
1617
In den Hospitalsrechnungen sind auch Ausgaben für das Tragen der Fahne in der Prozession zum Michelsberg aufgeführt.
1617
“ -Item Schmidts Crisanten, das den fhanen in processione auf st. Michelsberg getragen, 1 q. w. : 6 a. (1 Quart Wein, 6 Albus).”
1618
“-Item Chrisanten Schwanen wegen auff st. Michaelßcapellen getragenen seeghenmelß vnd versorgung des newen tabulats daheselbst 1 sb.”
1619
“-Item alß den 19. May die general procession von hienauß zue st. Michaelis capellen gehalten vnd die herren Capucini deroselben beygewontt, so hab denselben presentirt 1 f. wein, die q. ad 8 a.: 1 g. 8.--”
1620
Im Kartenwerk “Prodromus Geographicus Archiepiscopatus Coloniensis” von Johannes Gigas ist der Michelsberg schon mit “S. Michel” eingezeichnet.
1626
Die Teilnahme der Jesuiten, mit Pater Henricus Rhincop (Heinrich Rhinkop, Rindskop) und seinen Schülern, an der Michaelis-Prozession wird zum erstenmal erwähnt.
1629 17. August
In Münstereifel und Umgebung ist die Pest ausgebrochen. Es sterben viele junge und alte Menschen.
Pestprozessionen finden statt, u. a. auch zum Michelsberg.
1629
Mit zwei Kapuziner-Patres unternimmt die edle Frau Christina Spies von Büllesheim, geborene Krümmel von Nechtersheim, Frau und Erbvogtin von Satzvey, für sich und ihren Eheherren Wilhelm Gerhard Spies von Büllesheim, Herr und Erbvogt von Satzvey, und ihren beiden Söhnen eine besondere Wallfahrt zum Michelsberg.
1630
Zur Abwendung der Pest finden ständig weitere Bittprozessionen zum Michelsberg statt.
1632
“Das ganze Hochgräfliche Haus, alle Herren Grafen und Frauen Gräfinnen, sechs an der Zahl, ist zugleich in die Erz-Englische Bruderschaft eingetreten, u. a.:
Ihro Durchleucht Philippus von Aremberg, Herzog von Archott, geb. 1587, regierender Fürst 1611 - 1640.”
1632 2. Juli (Mariä Heimsuchung)
Graf Carl von Blankenheim Manderscheid-Gerolstein gibt den Patres der Societät Jesu auf dem Michelsberg, sowie den angrenzenden Michaels- und Engelsbusch und einige Wiesen. Hiernach wird die Bruderschaft vom hl. Erzengel Michael eingeführt.
An anderer Stelle heißt es irrtümlich:
Graf Johann Arnold von Blankenheim (1605-1644) sei der Schenker gewesen.
1632 23. August
Pater Heinrich Rhinkop erklärt in einer Urkunde, daß die Einkünfte der Pfarre und des jeweiligen Pfarrers nicht beeinträchtigt werden.
1663 1. Februar
Bürgermeister, Schöffen, Rat und sämtliche Bürger der Stadt Münstereifel im Fürstentum Jülich bekennen, daß sie am 1. Februar 1651 von den Eheleuten Hermann zum Pütz und Maria Deutz 1200 Rthlr. zu 6 Prozent aufgenommen. Jetzt habe ihnen zur Ablösung dieser Schuld Herr Conrad Esch, beider Rechte Doctor und kaiserlicher Kammergerichts-Assessor, die gleiche Summe zu 4 Prozent vorgestreckt; alle Bürger, durch die Glocke zusammengerufen, haben dieses Anerbieten einstimmig angenommen. Die Zinsen sind in Köln zu liefern. Als Unterpfand soll alles Hab und Gut der ganzen Bürgerschaft gelten. Hierzu gibt seine Einwilligung Johann Friedrich von Goltstein, Herr zu Winterburg und Eisig, PfaIz=Neuburgischer Rat und Kammerherr, Amtmann zu Münstereifel und Thomberg.
1. Februar 1663
Das erste Siegel des Amtmannes ist abgefallen; das der Stadt in hölzener Kapsel hängt an.- Die ganze Urkunde ist durchstrichen; denn außen steht: “den 6. Juli 1724 ist diese obligation durch beyde deputatos hern Rheimbach et cons. Barion nomine (mit Namen) dieser statt eingeloeset worden
gez. Heinr. Nuss, stattschreiber”
1664 29. September
Papst Alexander VII verleiht den Besuchern des Michelsberges Michael am Tage des hl. Michael einen vollkommenen Ablaß.
Papst Clemens XI beschenkte später die Bruderschaft mit vielen Ablässen.
1666 im Sommer
“Da in Collen die Pest herrscht, werden an den Stadttoren besonders scharfe Maßnahmen getroffen, niemand darf aus pestverdächtigen Orten in die Stadt hineinkommen. Die Pforten dürfen nachts nicht mehr aufgemacht werden. Bei der Prozession zum Michelsberg werden die “Päss und Weg” mit sicher gewehrten Bürgern besetzt, um wegen der Ansteckungsgefahr zu verhüten, daß sich “Auswendige” unter die Leute mischen können.”
Auch in Effelsberg grassiert die Pest.
1669 5. Oktober
Man will die Patres der Societät Jesu nicht mehr in die Stadt einlassen, falls sie weiter auf dem Michelsberg mit Prozessionen aus pestbefallenen Orten zusammentreffen.
1670
Im Kartenwerk “Carte nouvelle de I'Archeyeche et Electorat de Cologne avec ses Enclaves dans les Pays Circomvosins” von Sanson bei Mortier, ist der Michelsberg schon als “Michelsberg” eingezeichnet.
1671 6. Juni
Im Münstereifeler Ratsprotokoll ist eingetragen:
“6. Juni 1671. Wegen jetzt herumbligender vnd vmbschwebender kreigsuolcker
ist fest concludirt, daß die nachtswachten gehalten vnd verdubbelt
werden solle, zu welhem end consuli die wachtstuben vff vnd vor den pforten
repriren und aptiren zu [aßen vffgeben wirdt.- Nachdem auch bmr
(Bürgermeister) vnndt rath vff jüngst beschehene andermahlige
vermehlung deß wolgeborenen Johan Friederich von Goltstein, hiesigen
h. ambtmans, mit der auch wolgeborener frauwen Anna von Mirbach deroselben
zu ehren vor ein wilkomb ein praesent zu thun concludirt, alß haben
bmr vnd rath 25 rth. gehörigen orths hinuerwendet.”
1678
Zum ersten Mal wurde das Lied zu Ehren des hl. Michael gesungen:
O unbesiegbarer Gottesheld,
St. Michael!
Komm' uns zu Hilf',
zieh' mit zu Feld,
hilf uns hier kämpfen,
die Feinde dämpfen,
St. Michael!
1680
Trotz der wirren Kriegszeiten sind so viele Pilger auf dem Michelsberg, daß acht Priester den Andrang zur Beichte kaum bewältigen können.
1681
Es sind für die Beichte 11 Priester erforderlich.
1682 16. Februar
“Als ihre gnaden herr cantzler vnndt ambtmann freyherr von Goltstein per h. vogtßverwaltern Johannen hoffman abermahlen anfragen laßen, ob die wachten renovirt vnndt gesetzt, auch herrn Schnehagen alß ältistem in senatu die erste wacht in handen gegeben, so auch alsobalden per Casparen Adenaw tanbouren den rottmeistern ahngekündiget vunndt die wachtzettuln extradirt worden.”
1682
Eine schwere Seuche sucht das Vieh heim.
1682 1. August
Johann Friedrich Freiherr von Goltstein, Herr zu Vettelhoven und Winterburg, wird Kanzler und Amtmann in Münstereifel. Er ist ein Gönner des Michelsberges. Seit Bildung der Großgemeinde ist in Mahlberg ein Straßenteilstück nach ihm benannt. (Rohlersiefen am Wasserbassin/Hundefarm).
1683 13. März
“H. Jacobus Adenaw, pastoren zu Bouderath, praesentirt recessum von fürstl. h. commissario vnd cantzlern freyh. von Goltstein, vmb ihme die garben, welche auff den rodderen per executionem mit hingenohmen vnd ihme in den widdumbhof aber, seinem angeben nach, gehorigh, zu restituiren.”
1684
Wegen anhaltender Trockenheit treibt es ungezählte Menschen in Prozessionen zum Michelsberg.
1685 24. November
“Henricus Nuß, Sohn des Bürgermeisters, bericht, daß der Stadt für die dem Landesherrn vorgeschossenene 400 Rth. der herbstschatz zu Schonaw vnd Mahlbergh pro speciali hypotheca eingesetzt, darauß iahrlichs biß zu ggster einlösungh 20 rth. zu empfangen.”
1687 9. August
Johann Friedrich Freiherr von Goltstein, Herr zu Winterburg, in der Sürsch, und Eisicht, Geheimer Rath Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht, Kämmerer zu Münstereifel, Amt Tomberg, Jülich und bergischer Kanzler übergibt sein am 16. Juli 1687 angefertigtes Testament. Er stirbt am 25. Oktober 1687.
1687 29. Oktober
Der Amtmann von Goltstein wird von der Münstereifeler Schützengilde im Sarg auf den Schultern zum Michelsberg getragen und in einer Gruft vor dem Hochaltar beigesetzt.
Von Goltstein war der Erbauer und einzige Bewohner der heute nicht mehr existierenden Wasserburg Elsig. Er lebte dort von 1649 - 1687. Es heißt: Sein ganzes Leben sehnte er sich nach einem Kind und Erben. Als diese Hoffnung zerann, ließ er die goldene Wiege im Burgbrunnen versenken.
Entgegen der Münstereifeler Chronik heißt es: “Und den Wagen, auf dem sein Sarg ruhte, zogen nach der Sage die Pferde ohne Anweisung, so als ob sie den letzten Willen des Toten verstanden hätten zum Michelsberg hinauf, jenem Ort, dem der hochherzige Freiherr so manche Wohltaten erwiesen hatte und der ihm auch zur letzten Ruhestätte wurde.”
1687 30. Oktober
“Dieweilen ihro hochf. dhl. nach todtlichem ableiben deß hochwollgebohrnen h. johan Friedrichen freyh. von Goltstein, h. zue Winterburgh vundt Elsich, ihrer hochf. dhl. geheimen rhatß, cammern, Gulisch vundt Thoenbergh, dieße dardurch vacirendte emtere deine auch hochwollgebohrnen h. Herman Dietherichen freyh. von Siebergh, h. zue Enth... Wildenburgh, Villien vundt Keßenich etc. gnedigst conferirt, alß ist vor notig erachtet, der congratulation obzuelagen, warzue der stattsecretarius Hoffman deputirt worden.”
1689 6. August
Der in Mahlberg angelangte Chur-Brandenburgische Obrist Therwitz will mit seinen Völkern den Marsch durch die Stadt nehmen. Er zieht aber durch den Wald nach Arloff. In Arloff wird ihm durch die Stadt übergeben:
-
300 Pfund Brot
-
3 Tonnen Bier
-
20 Weißbrote
-
1/4 Ahm Wein
1694
“Pastor in Schönaw habit in Schönaw, Malberg, et Langscheidt 1/3 decimae anno 1694; inde percepit 24 1/2 mald. (Malter) silig. (Hülsenfrüchte), 25 1/2 avenae (Hafer), anno 93 tantundem (dasselbe, ebensoviel) habuit in pachta. Idem habet 2 iugera (Morgen) terra arabilis (pflügbarer Boden) et 3 plaustra (Wagen) foeni (Heu- Hornklee- Ertrag), simul taxari possunt annue (jährlich) 1/2 mald. silig., 1/2 avenae”
Quelle: Matricula etc. Ducatus Juliacensis Satrapia Monasterii - Eiffliae.
1699
An die Michelskapelle wird ein Priesterhaus angebaut. Die Mittel stammen ausschließlich aus freiwilligen Opfergaben.
Zum erstenmal entsteht ein Altar im Freien.
1699 - 1794
Eiflische Mission.
Die Eifelmission gehört seit 1704 mit ihrem Sitz zum Kolleg Münstereifel.
Von der Eifelmission, umfassend 140 Pfarreien, wurden jährlich cirka 50 Pfarreien besucht. Die Missionen dauerten je nach Pfarreigröße 2 - 5 Tage.
Die zerfallenen Schulen wurden wiederhergestellt, die gemeinsame Viehhut von Knaben und Mädchen abgeschafft, Streitigkeiten geschlichtet, Ehen in Ordnung gebracht, der Schmuck der Gotteshäuser gefördert, usw.
Die Seelsorge auf dem Michelsberg wurde von 1632 - 1704 vom Kolleg in Münstereifel wahrgenommen, dann aber gehörte die Seelsorge der Eifelmission. Es waren insgesamt 37 Missionare.
1700
Die Kapelle wird von Dieben heimgesucht, die alle Meßgewänder und Schmucksachen rauben, die sie tragen können.