Chronik von Mahlberg und Michelsberg
Jahre 1701-1800
1704
In den Jahren 1704 bis 1706 traten der Bruderschaft rund 4000 Mitglieder bei. Papst Clemens XI. verlieh der Bruderschaft mehrere Ablässe.
1707 vor Ostern
In der Michelskapelle wird ein neuer Hochaltar aufgestellt.
1707
Man zählte 20 Beichtväter.
1707 28. September
Am Vorabend des Michaelsfestes wird ein neuer Seitenaltar angebracht.
1709 6. Januar
Ab Königsnacht, 5./6. Januar großer Kälteeinfall und viel Schnee bis in den Mai.
1710
Der Rektor des Jesuitenkollegs zu Münstereifel, Pater Senerus, bat den Erzbischof, er möge den umwohnenden Geistlichen gestatten, Aushülfe im Beichtstuhl zu leisten, da die Jesuiten allein die Arbeit nicht bewältigen könnten.
1711
Der Andrang war so groß, daß man glauben sollte, die ganze Eifel habe ihre Dörfer verlassen, um sich auf dem Michelsberge zu lagern.
1712 22. Juni
Ein Eremit, Franziskus Josephus Nobelorth, kommt auf den Michelsberg und bleibt bis 19. Mai 1714 dort.
1715 11. Mai
Die Jesuiten erheben Klage, daß die Mahlberger ihr Gewohnheitsrecht überschritten und bereits für Reparaturen an der Kapelle gefällte Bäume angeeignet haben. Ein gewisser Peter Spilles aus Mahlberg soll der Haupttäter sein.
1718 27. Januar
Von den Jesuiten wird vor dem Münstereifeler Hauptgericht förmliche Klage erhoben. Sie verlangen die Aufhebung des Holzungs- und Weiderechts für die Gemeinden Schönau und Mahlberg.
1719
Das Jahr brachte für die Gegend entsetzliche Dürre und Unfruchtbarkeit. Im Frühling hatten alle Früchte das schönste Ansehen. Dann aber verdorrte das Erdreich, die Flüsse, Bäche, Brunnen trockneten dergestalt aus, daß die Mühlen kaum den Bedarf für das tägliche Brod liefern konnten. Das Vieh starb fast vor Durst und Futtermangel, das Blöken und Brüllen desselben, wenn es von der Weide zum Stalle zurückkehrte, war zum Erbarmen, nur was man in den überstandenen feindlichen Kriegsüberfällen gelitten hatte, ließ sich damit vergleichen. Die Bürgerschaft betete bei Tag und bei Nacht. Es wurden Bittprozessionen abgehalten.
1720 24. Oktober
Nach der Ortsbesichtigung entscheidet das Gericht, daß die Holzungs-
und Nutzungsrechte für die Gemeinden bestehen bleiben.
(2 1/2 Jahre nach der Klage).
1721
Das ganze Dach des Turmes und des Schiffes der Kapelle wird erneuert.
1730
Auf dem Michelsberg wird ein neuer Turmhelm errichtet, wozu eine Kölner Wohltäterin 50 Reichsthaler stiftet.
1731 19. Juli
Die weltlichen Herrscher ließen ihre Untertanen, wenn sie selbst keine Nachkommen hatten, auf ihre eventuellen Nachfolger aus dem engeren Familienkreis vorsorglich einen Treueeid schwören.
Eine derartige Huldigung fand auch auf Verordnung des Kurfürsten von Mainz, Karl Philipp von der Pfalz, Herzog von Jülich-Berg für Schönau, Mahlberg und Langscheid statt.
Auszug aus den “Huldigungslisten”
“Schönaw den 19ten July 1731
Ist in gefolg der general gdgsten Verordtnung Vom 21ten July letztvorigen Jahres, Von schultheißen, scheffen und sambtlichen Kirspels Unterthanen an Dero Churfst. Dhlt zu Mayntz (Kurfürstliche Durchlaucht zu Mainz) nach anlaß des abgelesenen formularis die Eventual Erbhuldigungs pflicht ad manus Ihre Churfst. Dhlt. Ambts-Verwalteren und Dero Vogten abgelegt worden. und seyen der Unterthanen nahmen folgende: Mahlberg.
| Wilhelm linden |
hanß Peter Vaß |
Johan saßert |
| Peter schmitt |
Peter wienand |
Peter Schroeder |
| johan schroeder |
joes holtz Mülheim |
johan schmitt |
| Peter leunenbach |
Goergen raab |
Peter Maßen |
| joes Muller |
Peter Spilles |
Wilhelm schröder |
| Michel leunenbach |
johan beuser |
Peter ley |
| Jacob leunenbach |
Wilhelm leunenbach |
joes Nies ? |
| goddert Meesen |
Goddert rick |
joes schefer |
| reinerus Hupp |
Peter Lang |
Hilger Berends |
| Henrich Meesen |
Hanß jacob Muller. |
Schönaw den 19. july 1731 haben schultheißen zu Hömmel und Tondorff, wie auch beide gemeine Daselbsten, Deren Nahmen hiernachfolgen, als Dero Churfl. Dhlt. Zu Mayntz den Eventual Huldigungs aydt nach Denenselben Vorgehaltenen formulari abgelegt”
1733
An die Sakristei wird ein Heiligenhäuschen angebaut, in welchem sich das hl. Grab befindet. Über dem Portal liest man heute noch die Jahreszahl 1733.
1735 16. April
Bau einer Kirche auf dem Michelsberg zu Ehren Gottes und des hl. Erzengels Michael. (3. Kapelle?)
1736
Bei einem Einbruch in die Michelskapelle werden die hl. Gefäße gestohlen. Die Diebe sind nicht weit gekommen. In Reckerscheid schnappte man sie und hing sie auf.
1736 Kreuzerhöhung, 14. September
Feierlich wurde eine Partikel des hl. Kreuzes von Münstereifel
aus auf den Michelsberg übertragen; die ganze Gegend, an 6000 Menschen
hatten sich am Kreuzerfindungstage auf dem Berge versammelt.
(Partikel = kleines Teilchen).
1739 18. Juni
Wegen anhaltender Trockenheit “geht zur Erhaltung fruchtbaren Regens” eine Bittprozession zum Michelsberg.
1739
Dach und Gewölbe der Kapelle auf dem Michelsberg sind dem Einsturz nahe.
1740 6. Januar
“1740 d. 6t january auff Könignacht ist solcher kalter winter eingefallen, dan dieße Kälte hefftig sich eingefunden mitt solchem starkem frost und immerwährenden tiefen schnee und Hageln biß bald den monath mey auß, alle wäßer seint stark zugefroren.”
1740 Oktober
“1740 9t und 10t octobris alle äpfell und bieren auff den bäumen in den zwei nachten wegen starck fröstiger Kälte seint beffroren und verdorben.”
1748 27. Januar
Der zeitliche Procurator Giersberg zeigt an, daß die Patres der
Societät Jesu entschlossen seien, die Kirche auf dem Michelsberg
von Grund auf neu zu erbauen. Sie erhalten von der Stadt Münstereifel
das benötigte Bauholz. (4. Kapelle?).
(Procurator = Wirtschaftsverwalter des Klosters)
1748 5. Juli
Wegen anhaltender Trockenheit geht zur Erhaltung fruchtbaren Regens eine Bittprozession zum Michelsberg.
1751 31. August
Eine Bittprozession geht zum Michelsberg, “damit durch Vorbitt des hl. Ertzengels Michael dasige Statt-Bürgschaft nebst dem Landt von der Viehseuche befreyt bleiben möge.”
1767
Mahlberg im Gericht Schönau gehört mit 816 ha Gemarkung zur Pfarrei Schönau im Eifeldekanat. Einwohnerzahl: Schönau, Mahlberg und Langscheid zusammen 549 Personen.
1770
Nach einem Streit des Magistrates und der Geistlichkeit der Stadt wegen Abhaltung der Kirmes, veranstaltet der Magistrat seinerseits eigenmächtig eine Wallfahrt zum Michelsberg.
1771
Das Dach der Michaelskapelle wird erneuert, eine Außenkanzel erbaut, das Innere und die Altäre werden mit leuchtenden Farben geschmückt. Ebenfalls wird das Grabmal des Freiherrn von Goltstein frisch gestrichen.
1773 2. Juli
Das Sammeln von Haselnußkernen und Wacholderbeeren ist bei Androhung von sechs Mark Strafe vor Michaelistag (29. Sept.) verboten.
1773 21. Juli
Nach dem Einmarsch der französischen Revolutionssoldaten wurde der Jesuitenorden aufgehoben, durch das Breve “Dominus ac Redemptor” des Papstes Klemens XIV. Von den Landesherren wurden die Jesuitenkollegien in geistliche Kongregationen umgewandelt.
1773 5. Oktober
Pater Johannes Scheffer macht eine Aufstellung über die vorhandenen “Kirchsachen” der Michaelskapelle:
-
eine kupferne übergoldete Monstranz
-
drey Kelchen mit silbernen Wappen
-
ein Zinner Kelch
-
ein kupfernes übergoldetes Cimborium
-
eine Chorkap
-
ein silbernes Herz mit verschiedenen Denkmünzen
-
eine kupferne Ampel
-
drey Missalen
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fünf Casalen
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drey Alben
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ein Röcklin
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neun Corporalien
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zwantzig Altartücher
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zwei communicant - Tücher
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drey Handtücher
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ein kupfernes Weyrauchfaß
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vier par Zinnere pollen (wahrscheinlich Kerzenleuchter)
-
drey höltzerne Bülten (vermutlich Pulte für die Missalen).
Der Übrige Zirath besteht aus Hölzerleuchter und einig schlecht Blumstreifen.
1773
Die Liegenschaften und Lasten des St. Michaelsberges:
“I. Eigentum
-
Michaelis-Kapell mit ihrem Bezirk
-
der Hohe Berg mit dem angehörigen wilden Land
-
der Rosenseiffen mit seinen Bänden, Büsch und wilden Land
-
der Galgen-Bend, wozu auch 3/4 Land gehörig
-
im Bleisthal ein Stück wilden Landes
-
zu Mahlberg Ambts Münstereiffel drei Malter Haaber, so gar nicht flüssig
-
ein Kapitel von 446 Thaler, 53 Albus (Weißpfennige) mit 18 Reichsthaler, 51 Stüber Interessen,
II. Dagegen hat dieses Sacellum (Kapelle) St. Michaelis folgende Lasten
-
genießt der daselbst bestellte Offermann die spezifizierten Wiesen (fünf Karren Heuertrag)
-
werden die Andachten vorgeschriebenermaßen von 10 Tagen sodann die ganze Michaelis-Oktav hindurch, dorten gehalten, an welchen Tagen jederzeit wenigstens drei Priester aus dem Collegio ohne die hierzu kommenden Weltgeistlichen bewirtet werden müssen
-
Zudem muß das Kollegium die Kapell und umliegende Mauern in Dach und Fach halten, auch beim erforderlichen Fall neu aufbauen.”
1774 3. November
Die herzogliche Regierung in Düsseldorf weist den Rentmeister Elven von Münstereifel an, die Renten, Pächte und Zinsen einzutreiben. Das macht für die Michaelskapelle an Zinsen von 446 1/2 Reichsthaler Kapital 18 Reichsthaler, 51 Stüber, 2 Heller.
1778
“Dießes jahr ist ein drockener sommer geweßen, hatt nicht geregenet biß anfangs Septembris, wegen der drockenheit seint rings umb broceßions gegang.”
1785 24. Mai
Wegen anhaltender Trockenheit kommt eine Prozession von Cuchenheim zum Michelsberg. Der mürrische und trotzige Pastor Christian Joseph Thelen ist nicht mitgegangen.
Auf dem Rückweg geht ein gedeihlicher Regen nieder.
1785
Seit diesem Jahr findet alljährlich von Kuchenheim aus eine Wallfahrt zum Michelsberg statt.
1787 Mai
Die Kapelle und das Priesterhaus sind dem Einsturz nahe, Kreuzwegstationen und Mauern liegen in Trümmern.
1789
Mahlberg bildete mit Schönau und Langscheid eine der sieben Honschaften im jülichschen Amt Münstereifel.
Mahlberg gehört zum Gericht Schönau.
1789
Bei Prozessionen ist der Ausschank von Branntwein bis tief in die Nacht. Auswüchse und Schwelgerei sind die Folge.
Der Missionar Schönenbusch machte eine Eingabe, daß der Ausschank höchstens bis 15.00 oder 16.00 Uhr erlaubt werden solle.
1790 21. September
“Carl Theodor Churfürst p.
Seine Churfürstl. Gnaden befehlen Dero Verwalter Amts Münstereifel,
auf deßen Bericht Vom 12ten dieses (Monats), die Hinderung und Störung
der Andacht aufm Michaelsberg bestens <abgestellt> zu haben, und
den Erfolg Zu berichten.
Düsseldorf den 21ten 7ber 1790
An Amts Verwalter Amts Münstereifel.
gez: Jansen”
1794
“Das Vermögen des Michelsberges bestand in:
-
Capitalien, zusammen 626 1/2 Rthlr. cöln., wovon bis Herbst 1794 die Zinsen gezahlt worden.
-
Michels- und Engelsbüsch, sind gemäß Act vom 5. Aug. 1824, haltend 23 Morgen Magd., für 365 Rthlr. verkauft worden.
-
Rosenseifen, haltend 34 Morgen 46 Ruthen, ist am selbigen Tage für 670 Rthlr. verkauft worden.
-
Brachfeld, haltend 3 Viertel 2 Pinten 5 Ruthen, ehedem zu 2 Rthlr. 40 Stbr. verpachtet.
-
Wiesen: Rosenseifen, Galgenbenden und Haselbusch, zusammen verpachtet zu 6 Rthlr. 26 Stbr.”
1794
Durch die französischen Revolutionstruppen wird das Rheinland besetzt.
1794
Das Kirchengut wird sequestiert.
1794 - 1802
Die französische Besatzung bewirkte die Still-Legung jeder Tätigkeit der Missionare.
Das Priesterhaus auf dem Michelsberg wird vorübergehend durch einen
Domänenförster bewohnt.
(Domäne = staatliches oder landesherrliches Landgut).
1794
Bei der Besitznahme des Landes durch die Franzosen wird Münstereifel Hauptort einer Mairie im Kanton Rheinbach, Bezirk Bonn, Rhein- und Mosel-Departement. Diese Mairie besteht aus den Orten Arloff, Effelsberg, Houverath, Iversheim, Langscheid, Lethert, Mahlberg, Münstereifel, Mutscheid, Rupperath und Schönau. Münstereifel verliert aber seine Stellung als Mithauptstadt von Jülich.
1794
Münstereifel ist eins von 43 Ämtern des Herzogtums Jülich, es umfaßt 16 Gerichte.
Schönau mit Mahlberg und Langscheid bilden das achte Gericht.
Die Gemarkung der drei Ortschaften umfaßt 300 Morgen Ackerland, 100 Morgen Wiesen, 500 Morgen Waldung und 150 Morgen Hutweiden.
Der Viehbestand beträgt 31 Pferde, 3 Ochsen, 70 Kühe, 400 Schafe und 34 Schweine.
1795 11. September
Die Grundsteuern für Mühlen, Zehnten und Waldungen sind fällig, u.a. für den Michelsberger Busch, zu Schönau gehörig.
1798
Die fünf Bürgermeistereien: Rheinbach, Adendorf, Kuchenheim, Münstereifel und Ollheim werden zum Kanton Rheinbach im Rhein- und Mosel-Departement.
1800
“Es ware ein sehr trockener Sommer, dergleichen bey Menschen Gedenck
nicht gewesen ist, so daß in einigen Dörfern kein wasser mehr
zu haben war, nichts desto weniger waren die Nächten allzeit kühl;
Den 13. Juni (Antoniustag) ist das Bohnen- und Erdäpfellaub an den
stöcken erkalt.”