Chronik von Mahlberg und Michelsberg
Jahre 1851-1900
1856 März
Kollekte für den Wiederaufbau der Michelskapelle. Das Gesamt-Baukapital beläuf sich auf 2148 Thaler. Es reicht nicht aus. Zusätzlich werden Lose zu fünf Silbergroschen verkauft.
1856 Oktober
Kardinal von Geissel weiht in Münstereifel das Erzbischöfliche Konvikt ein. Er trug sich als erster in die Sammelliste für den WIederaufbau der Michelskapelle ein.
1856 2. November
Unter der Verwaltung des Bürgermeisters Finklelnburg gehört die Gemeinde Mahlberg zur Landbürgermeisterei Münstereifel, nachdem am 15. Mai die neue Städteordnung für die Rheinprovinz in Kraft trat.
1857 19. März
Wilhelm Risch aus Reifferscheid-Kirchseiffen, Besitzer von Gut Hospelt und der Wehnsburg stiftet das Bauholz für den Wiederaufbau der Michelskapelle.
Gut Hospelt kam 1831 an Herrn Karl Theodor Risch und dessen beide Söhne. Der Sohn Wilhelm Risch hat die Kapelle zum hl. Joseph bei Hospelt neu platten und während restaurieren lassen. Sie wurde 1878 neu geweiht zu Ehren des hl. Joseph, während vorher der hl. Antonius von Padua der Patron war.
1857 - 1860
Neubau von Schiff und Turm an der Michelskapelle. Gleichzeitiger Wiederaufbau des Priesterhauses.
1858
22 Jahre nach dem Brand erfolgt der Wiederaufbau der Michelskapelle. Es werden auch 14 Stationen vom Fuß des Berges bis zur Kapelle errichtet.
1860 1. Oktober
Um 9.00 Uhr wird durch den Herrn Landdechant Johann Büdgenbach
aus Iversheim die neu entstandene Kapelle feierlich eingeweiht.
(5. Kapelle?). Der Turmhelm fehlt noch.
(Johann Büdgenbach war von 1834 bis 1883 Pfarrer von Iversheim. Seit
1850 war er Landdechant von Münstereifel. Er starb am 4. Juli 1883).
1862 26. Februar
17 Bürger aus Mahlberg und Schönau schenkten “für ewige Zeiten” eine Anzahl Parzellen um die Kapelle herum zur Nutzung und zum Besten derselben.
1863 - 1882
Errichtung der Kreuzwegstationen um den Michelsberg.
1869 26. Februar
Durch den Zimmermeister Hövel aus Frohngau wird für 490 Thaler der Turmhelm für die Michaelskapelle fertiggestellt. Es wird auch eine Glocke angeschafft.
1874 1. April
Der Lehrer Stephan Halsig beginnt die erste Mahlberger Schul-Chronik.
1877 15. Februar
Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cöln:
“Hauskollekte für den Neubau einer katholischen Schule zu Mahlberg,
Kreis Rheinbach.
Der Herr Ober-Präsident der Rheinprovinz hat durch Erlaß vom
7. des Monats behufs Aufbringung der Mittel für den Neubau einer
katholischen Schule zu Mahlberg, Kreis Rheinbach eine Hauskollekte bei
den katholischen Bewohnern der Regierungs-Bezirke Cöln und Aachen
bewilligt, welche bis zum 1. October des Jahres durch Deputirte der Gemeinde
abgehalten werden soll.
Indem wir dies zur öffentlichen Kenntniß bringen, weisen wir
die betreffenden Behörden unseres Bezirks an, den sich meldenden
gehörig legitimierten Deputirten die etwa nöthige Beihülfe
zu leisten.
Cöln, den 15. Februar 1877.”
1878 7. November
Der Armenarzt und spätere Sanitätsarzt Dr. Jünger aus Münstereifel hat bei einer Schulrevision keine ansteckenden Krankheiten vorgefunden.
Derartige Eintragungen über Revisionen vom Arzt, vom Ortsvorsteher, vom Beigeordneten, vom Bürgermeister oder vom Orts- bzw. Lokalschuldirektor finden sich in fast regelmäßigen Abständen cirka alle zwei Monate in der Schulchronik.
1879 März
Der Regierungsbezirk Köln wird in Schiedsmannsbezirke eingeteilt. Der Bezirk XIII im Kreis Rheinbach umfaßt die Gemeinden Mahlberg und Schönau. Zum Schiedsmann wird Johann Goar Ohlert aus Mahlberg ernannt. Sein Vertreter ist Peter Joseph Nettersheim aus Schönau.
1879 9. Juli
Am heutigen Tage wird der GRUNDSTEIN zum Bau des neuen SCHULHAUSES gelegt.
1879 - 1883
Auswanderung nach Bosnien in Jugoslawien.
Noch zur Zeit der Türkenherrschaft, im Jahre 1869, hatte der Trappistenpater
Franz Pfanner aus dem Kloster Mariawald bei Heimbach in der Eifel nahe
bei Banja Luka die Niederlassung Maria Stern gegründet, die sich
zu einer berühmten Abtei entwickelte. Abt Pfanner schrieb nach der
Besetzung Bosniens durch die Österreicher im Herbst 1878 einen Aufsatz,
in dem er Deutsche zur Ansiedelung in Bosnien einlud. Aus der Eifel trat
man in Briefwechsel mit Kloster Maria Stern (Kloster Essig?), und diese
Briefe gaben den Ausschlag zur Auswanderung nach Bosnien.
Unter den Auswanderern waren auch einige Mahlberger Bürger.
Peter Joseph Mahlberg und Katharina Prinz begannen Anfang Dezember 1879
die abenteuerliche Reise nach Bosnien. (Mittelwindhorst bei Novo Topola,
17 km von Banja Luka entfernt). Ein weiterer Auswanderer aus Mahlberg
war Peter Winand.
1880 7. Juli
Am heutigen Tage fand durch den stellvertretenden Kreisschulinspektor Herrn Reinkens zu Bonn, die übliche Revision und Prüfung statt, nachdem er zuvor des Morgens die Schule in Schönau besucht hatte. Gegenwärtig waren noch hierselbst die Herren Halsig und Mahlberg von Schönau und Eicherscheid, infolge Einladung des Herrn Inspektors.
gez: Theodor Kastenholz, Lehrer.
1881 18. Mai
Unterm heutigen Datum wurde von dem Schreiner Herrn Hubert Reinkens sen. aus Wershoven 15 Stück neuer Schulbänke für die hiesige Schule abgeliefert und dieselben ins Schulinventar eingetragen.
1881 11. Juli
In Begleitung des Herrn Landrates Wolff von Rheinbach und des stellvertretenden Regierungsrats D. Schönen, sowie des stellvertretenden Bürgermeisters Roth traf heute Nachmittag gegen 1/2 5 Uhr der Herr Regierungspräsident von Cöln, Herr von Bernut hierselbst ein. Nachdem die Herren das neue Schulgebäude in Augenschein genommen hatten, setzten dieselben ihre Reise auf Effelsberg fort.
1881 30. Juli
Gemäß Verfügung des Herrn Landrates beginnen die diesjährigen Ernteferien in der ganzen Bürgermeisterei Münstereifel mit dem 1. August und endigen mit dem 15. August.
gez. Theod. Kastenholz, Lehrer.
Derartige Eintragungen bezüglich Oster-, Sommer-, Herbst-, Ernte- und Weihnachtsferien wiederholen sich jährlich in der Schul-Chronik.
1881 18. September
Nachdem am gestrigen Tage, Sonntag den 18. September, die feierliche
Einweihung des neuen nunmehr fertigen Schulgebäudes stattgefunden,
war es mir vergönnt, heute zum erstenmale in dem anmutigen herrlichen
Schulzimmer den Unterricht zu ertheilen, welche Gelegenheit ich benutzte,
um in kurzen Worten den Kindern ans Herz zu legen, daß es eine Pflicht
der Dankbarkeit sei, durch Fleiß und gutes Betragen den Eltern zu
bezeigen, daß sie nicht nutzlos und vergeblich sich es haben soviel
kosten laßen bei Erbauung des neuen Hauses. Der Neubau des Schulhauses
samt Lehrerwohnung und Oekonomiegebäude, soweit dieselben vertragsgerecht
von dem Unternehmer herzustellen waren, kostete im Ganzen ? Mark. Die
wichtigsten Materialien, Bruchsteine, Sand, Zimmer- und Schreinerholz
hatte die Gemeinde selbst beschafft.
Dieselben waren im Kostenanschlage das Planes beziffert mit ? Mark. Dazu
kamen bei der Errichtung des Hauses fünfzehn neue Bänke im Betrage
357,50 M. vier Fensterrouleaux zu cirka 17 Mark. Die Zimmer der Lehrerwohnung
wurden tapeziert und die Fußböden geölt; macht ? Mark.
Eine Schulglocke kostete ohne Läutevorrichtung zweiundvierzig, geschrieben
42 Mark;
Der Spielplatz wurde zum Schutze vor rauhem Nord- und Ostwind mit einer
Mauer umgeben, dieselbe beziffert sich samt Material auf ? Mark; Zur Heizung
des Schullokales wurde ein großer Regulier-Füllofen gekauft;
derselbe kostet samt Zubehör 90 Mark.
(Mir wurde erzählt, daß jedes Kind, welches während des
Unterrichts die Toilette aufsuchte, einen Arm voll Holz mit in die Klasse
bringen mußte).
Somit repräsentiert das neue Schulgebäude inclusive der Lehrerwohnung,
uneingerechnet die Baufläche, den bedeutenden Werth von ? Mark,
Desgleichen sind dabei nicht berücksichtigt die übrigen im Inventar
aufgeführten Utensilien und Lehrmittel, die .....
(Hier endet der Bericht des Lehrers Kastenholz, die Mark-Beträge
fehlen leider auch).
1881
Bis zur Aufnahme des Unterrichts in der neuen Schule wurde der Unterricht in der alten Schule abgehalten. Diese alte Schule soll mündlichen Überlieferunge zufolge in Höhe des Hauses Blindert, heute Breitestraße 19, gestanden haben.
1881 17. November
Es wurde ein Erdbeben registriert.
1882 5. September
Herr Regierungs-Baurat Gottgetreu war heute hierselbst anwesend und nahm eine Revision des Schulgebäudes vor.
1883 10. Januar
Wegen der Viehzählung ist der Unterricht Donnerstag den 11. Januar ausgesetzt worden.
1886
Es wird eine zweite Glocke auf dem Michelsberg geweiht.
1887 November
“Der Beigeordnete Johann Goar Ohlert zu Mahlberg ist wiederum zum Beigeordneten der Landbürgermeisterei auf die weitere Dauer von sechs Jahren ernannt worden.”
1890 29. September
In der Nacht vom 29. auf den 30. September werden alle hl. Gefäße aus der Michelskapelle gestohlen. Der oder die Täter sind unentdeckt geblieben.
1894 Januar
“Johann Goar Ohlert zu Mahlberg ist für die gesetzliche sechsjährige Amtsdauer zum Beigeordneten der Landbürgermeisterei Münstereifel ernannt worden.”
1894 10. April
Johann Peter Schröder sieht in seinem Testament 120 Mark für die Erbauung des Muttergottesheiligenhäuschens (Nähe Schule) vor. Er war geboren am 21. Januar 1827 in Mahlberg, ledig, jahrelang Ortsbürgermeister und starb am 12. Juli 1894. Demnach erfolgte der Bau des Heiligenhäuschens nach 1894.
1895
Der Schädel des Freiherrn von Goltstein hat sich wieder eingefunden.
1897 7. Mai
Das Königliche Amtsgericht teilt mit, daß für Mahlberg ein Grundbuch angelegt wird.
1897 16. September
Laut Amtlichem Mitteilungsblatt ist die Grundbuchanlegung erfolgt.
1899 13. Mai
Telegraphenbaubau Effelsberg-Mahlberg.
1899 20. Oktober
In Mahlberg werden durch einen Großbrand 23 von 60 Wohnhäusern
und Stallungen vernichtet.
Nach dem Brand wurden einige Häuser schnellstens wieder aufgebaut.
Zum Beispiel beantragte Clemens Lingscheid (Änne Clemens,Metteler)
am 10. April 1900 die Genehmigung für den Wiederaufbau des Wohnhauses
und der Scheune. Der Landrat von Rheinbach, Herr von Groothe erteilte
die Genehmigung schon am 20. April 1900.
1899 25. Oktober
Aufruf in der Münstereifeler Zeitung:
“Dringende Bitte um Hilfe.
Das Dorf Mahlberg in der Pfarrei Schönau bei Münstereifel ist
am 20. Oktober d.J. von einem furchtbaren Brandunglück heimgesucht
worden. 22 Häuser mit den dazugehörigen Stallungen, Scheunen,
Erntevorräten, Möbeln, Kleidern, Nahrungsmitteln, sogar mehrere
Stücke Vieh, sind ein Raub der Flammen geworden; nur wenige Sachen
konnten gerettet werden. Mobilar, Getreide, Vieh usw. auch mehrere Gebäulichkeiten,
waren nicht versichert. Mit wenigen Ausnahmen sind es ganz arme Familien,
die von dem schweren Mißgeschick betroffen und nun in die äußerste
Notlage versetzt sind. Schleunige Hilfe thut da dringend not. Die Mitbürger
von Mahlberg und die benachbarten Orte helfen, soviel sie können;
aber leider reichen ihre Mittel nicht weit; denn wohlhabende Leute sucht
man in der hiesigen Gegend vergebens. Deshalb ergeht unser Ruf nach auswärts
an alle mildthätigen Herzen: Helft uns, unsere schwergeprüften
Mitbürger vor Hunger und Kälte, Elend und Verzweiflung, zu schützen.
Milde Gaben nehmen dankbar entgegen: Dechant und Oberpfarrer Mengden in
Münstereifel, Bürgermeister Roth in Münstereifel, Ortsvorsteher
Mies in Mahlberg bei Schönau, Bez. Köln, Pfarrer Scheurer in
Schönau, Bez. Köln.”
1899
Damit in einem Brandfalle möglichst schnell Löschwasser zur
Verfügung steht, werden nach dem Brand an mehreren Stellen im Ort
Löschwasserteiche angelegt. An der Stelle, der im Jahre 1951 errichteten
Kirche war ein Brandweiher und etwas unterhalb davon der sogenannte Knoppensweiher.
Außerdem gab es in der Fringsgasse noch den Lingscheidsweiher oder
die Fringskuhle, zwischen Haus eins und sieben, und oberhalb der heutigen
Kläranlage den sogenannten Stocksbuddel.
Neben dem (Kirchen-) Weiher stand in einem kleinen Häuschen eine
handbetriebene Feuerspritze. In diesem Häuschen befand sich auch
eine Arrestzelle, später stand hier auch ein pferdegezogener Leichenwagen,
bis Mahlberg einen eigenen Friedhof angelegt hatte.
Vor diesem Spritzenhäuschen an der Ecke Bielengasse wurde die Kirmes
herausgeholt und begraben; das heißt: der Kirmesknochen wurde hier
in der Straße vergraben bzw. ausgegraben.
um 1900
Bau der Wegekapelle.
Im Buch “Die Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen” für
die Stadt Bad Münstereifel steht folgender Eintrag:
Wegekapelle
Am westlichen Ortsausgang, an der alten Straße nach Schönau
gegen 1900 errichtet. Kleiner verputzter Bruchsteinbau mit dreiseitigem
Schluß unter Schiefer-Satteldach. Spitzbogiges Eingangsportal, im
Innern ein Kreuzgrat- und ein Stichkappengewölbe.
Siehe auch Eintrag vom 10. April 1894.