Chronik von Mahlberg und Michelsberg
Jahre 1901-1950
1906 Michelsoktav
Der Bonner Münsterchor kommt zum erstenmal zum Michelsberg und verschönert durch seinen Gesang die hl. Messe.
1906/07
In “Vegetationsbilder Eifel und Venn, JENA 1907” steht: “Nur hier und da säumen Obstbäume die höher gelegenen Chausseen, dere Früchte dort höchstens zur Halbreife gelangen. So sind in der nördlichen Eifi bekannt die sauren, unausgereiften Pflaumen (die “Fromme”) vom Michelsber Sie entstammen den Bäumen, welche die nach diesem Wallfahrtsort führende Wege begleiten und werden, vollständig mit Stielen und Steinen im Teil eingebacken, in der Herbstzeit den Pilgern als Leckerbissen angeboten.”
1908 25. September
Bei der Versteigerung des Obstes auf den längs der Straße stehenden Bäumen werden die Bäume für 0.50 Pfg. verkauft, weil es Obst in Hülle und Fülle gab.
1909 22. November
Schon früh beginnt der Winter. Der Schnee lag heute morgen 0,45 m hoch. Es sind minus fünf Grad Celsius.
1909 28. November
Für 29,-- Mark werden die Schultafeln neu angestrichen und mit Linien versehen. Mit den ausgeführten Arbeiten ist der Lehrer nicht sehr zufrieden.
ca. 1910
Die Schmiede wird gebaut von den Eheleuten Stefan Haag und Helena geborene Kurth. 1956 wird die Werkstatt angebaut. Seit ca. 1970 ist die Arbeit eingestellt.
1911 1. Januar
Lehrer Hoch schreibt: Der Schulort Mahlberg hat 300 Seelen.
1911
Seit 1. September fährt täglich zweimal ein Automobil von Münstereifel über Eicherscheid, Schönau, Holzmülheim, Tondorf nach Blankenheim. Die Mahlberger können dieses Auto ab Schönau benutzen. Die einfache Fahrt bis Münstereifel kostet 0,40 Mark. Der “Kraftwagenverkehr” wird am 1. Dezember wieder eingestellt, wegen des zu hohen Fahrpreises und der schlechten Wege.
1912
In der Mitte des Dorfes ist ein Gefängnis erbaut worden. Veranlassung dazu sind die wiederholt vorgekommenen wüsten Ausschreitungen während der Michaelsoktav.
1912 17. April
Heute konnte eine Sonnenfinsternis beobachtet werden. Dieselbe begann um 12:30 Uhr und dauerte bis gegen 14:00 Uhr.
1912 10. Mai
Heute morgen gegen 7.00 Uhr wurde ein Zeppelin-Luftschiff über Mahlberg gesichtet. Es kam vom Truppenübungsplatz Elsenborn und fuhr zurück nach Cöln.
1912 23. Juni
Gegen 8 Uhr abends überflog ein Aeroplan Mahlberg in der Richtung von Nordosten nach Südsüdwesten. (Aeroplan - Schwebeflugzeug).
1913
Bau der Gaststätte “Zur Wasserscheide”.
1915 15. Juli
Auf dem Turm der Michelskapelle wird ein Beobachtungsposten für Luftschiffe und Flugzeuge eingerichtet. Dort versehen 14 Soldaten im I. Weltkrieg ihren Dienst.
1915 15. August
Für bedürftige Krieger werden 19,91 Mark und für Kriegerwaisen 37,10 Mark gesammelt.
1915 20. und 21. September
Da man Kriegsmaterial benötigt, wurde an beiden Tagen eine Kupfer-, Messing- und Nickel-Sammlung durchgeführt.
1917 16. Februar
Durch Bundesratsverordnung vom 16.2.1917 ist die Sommerzeit eingeführt worden. “Sie beginnt am 16.2. um 2 Uhr vormittags und endet am 17.9. um 3 Uhr vormittags.”
1917 bis 25. Februar
Wegen großer Kälte und um Brand zu sparen, fiel in dieser Zeit der Schulunterricht aus.
1917 Juli
Seit Anfang des Monats sind zur Hilfe der Bauern vier Franzosen im Dorf untergebracht, welche bei der Landwirtschaft helfen sollen.
1921
Von Mitte März bis kurz vor Weihnachten liefert die Wasserleitung infolge großer Trockenheit fast gar kein Wasser mehr.
1923
In den Erläuterungen zum Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz
schreibt Josef Hagen:
“In den Falkenberger Hecken sind Spuren ehemaliger Befestigungen.
Weiter führt die Straße, 4-8m breit, als Forstweg reguliert,
stellenweise einige Fuß dammartig erhöht, in ziemlich gerader
Richtung auf Michelsberg; zuweilen nur ein breiter Grasweg, dann wieder
im Walde neben der 4m breiten Straße ein 1 1/2m breiter Graben mit
2 1/2m breitem, 1m hohem Seitenwall als Reste der ehemaligen Straße,
namentlich im Laubwalde deutlich die 4m breite Steinlage mit großen
Bordsteinen aus weißem Quarz. Durch den Schönauer und Mahlberger
Wald. Bezirks- bzw. Banngrenze! Nach NNO aufbiegend! Beim Austritt aus
dem Wald in der Heide sehr deutlich; Reste eines 4-5m breiten, 1m hohen
Dammes. Östlich am Michelsberg H 588,0 - vorbei. Wachtposten?
Etwa 300 Schritt südlich vom Michelsberg rechts an der Straße
von Mahlberg nach Reckerscheid <am Lindchen> römischer Bauschutt,
Tuff und Mörtel.”
1923 April
Beginn der Inflation.
1923
Die Gemeinde Mahlberg bekommt elektrischen Strom. Der Anschluß
erfolgt an die “Überlandzentrale Berggeist”. Den Ausbau
des Ortsnetzes übernimmt die Firma Naßheuer aus Siegburg. Die
Unkosten werden aus dem Gemeindewald gedeckt. Jedes Haus bekommt 10 Meter
Leitung und zwei Lampen von der Gemeinde bezahlt.
Bis dahin war man auf Kerzen und Petroleumlampen angewiesen.
1923 November
Einführung der Rentenmark.
1927 Sommer
Das preußische Staatsministerium hat beschlossen, die 24-Stunden-Zählung einzuführen.
1927 29. September
600-Jahrfeier der Michaelsverehrung auf dem Michelsberg,
Unter Beteiligung von vielen in- und ausländischen Pilgern, Geistlichen
und Ehrengästen wurde das Jubelfest begangen.
Am Nachmittag taufte der Weihbischof in der Michelskapelle den Sohn “Johannes
Michael” des Mahlberger Lehrers Clemens Schmitz und Maria geborene
Schnichels.
1928 6. Januar
Eintragung in der Schulchronik:
“Am Abend des 6. Januar entstand im Haus des Winand Binzenbach ein
Kaminbrand. Bei der Trockenheit und dem starken Winde hätte derselbe
schwere Folgen haben können. Immer wieder kommt es vor, daß
die Leute zwar das Reinigen bezahlen, den Kaminfeger aber aus Furcht vor
Schmutz und Ruß nicht fegen lassen, den Kamin aber auch selbst nicht
reinigen. So muß der Ruß bei starker Feuerung brennen. Die
Feuerwehr war schnell zur Stelle und verhütete weitere Folgen.”
1928 1. Oktober
Die Post hat eine Autolinie Münstereifel-Schuld eröffnet. Dieselbe befördert auch Postsachen. Der Fahrpreis von Münstereifel bis zur Haltestelle Rohlersiefe (Hundefarm Eifel) beträgt 0.60 Reichsmark.
1929 1. Oktober
Mahlberg bekommt eine Poststelle. Sie wird dem bisherigen Posthilfsstelleninhaber Wilhelm Joist übertragen.
um 1930
Es wird ein Teil des heutigen Hauses Koenen (Michelsbergstraße
39) als Jugendheim erbaut.
In den Jahren vor dem II. Weltkrieg wurde das Haus als “NSV”-Kindergarten
genutzt.
Dort hatte nach dem Kriege der Mahlberger Arzt Dr. Theodor Stolte seine
Praxis.
1932 11. März
An der Mahlberger Schule wird zum erstenmal auf Anordnung Hakenkreuzfahne gehißt.
1932 1. Oktober
Münstereifel, wozu auch Mahlberg gehört, kommt nach Auflösung des Kreises Rheinbach, welcher seit 1816 bestand, zum Kreis Euskirchen.
1932 10. Oktober
Mahlberg hat eine Flächengröße von 815 Hektar bei einer Einwohnerzahl von 318.
1933 Januar
Es erfolgt die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten.
1933 5. März
Bei der Reichstags- und Landtagswahl wurden in Mahlberg folgende Stimmen abgegeben:
|
Reichstag |
Landtag |
||
Nationalsozialisten |
65 |
Stimmen |
66 |
Stimmen |
Sozialdemokraten |
-- |
|
-- |
|
Kommunisten |
-- |
|
2 |
Stimmen |
Zentrum |
108 |
Stimmen |
103 |
Stimmen |
Kampffront (schwarz-weiß-rot) |
1 |
Stimme |
1 |
Stimme |
Deutsche Volkspartei |
-- |
|
-- |
|
Gesamt |
174 |
Stimmen |
172 |
Stimmen |
1934/35
Der Turm der Michaelskapelle wird mit einer Aussichtsgalerie und einer neuen Haube versehen.
1936 17./18. April
In der Nacht ist ein großes Unwetter, heftiger Schneesturm, meterhohe
Verwehungen. Schneebruch bei allen 20-30 jährigen Baumbeständen.
Fast alle Licht- und Telefon-Freileitungen sind zerstört worden.
1936 24. Mai
Die Kraftpostlinie von Münstereifel nach Schuld wird eröffnet. Die Haltestelle für Mahlberg war an der jetzigen Hundefarm Eifel, am Rohlersiefen.
1936
Starker Schneefall in der Nacht vor Christi Himmelfahrt.
1938
An der Mahlberger Schule wird eine Niederschlagsmeßstelle errichtet.
1939 8. November
Mitteilung im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cöln:
“Der bisherige Gendarmeriebezirksoberwachtmeister zur Probedienstleistung
Franz Kreidt in Mahlberg Kreis Euskirchen ist zum planmäßigen
Gendarmeriebezirksoberwachtmeister ernannt worden.”
Köln, den 8. November 1939
Der Regierungspräsident.
1939 26. November
Orkanartiger Sturm. Schäden an Dächern und Gebäuden.
1940
Da der Lehrer von Mahlberg zum Militär mußte, kamen die Kinder des Gastwirtes Heinz Meyer von der Wasserscheide ab jetzt zur Schule nach Willerscheid.
1939-1945
Auf dem Hohberg war im zweiten Weltkrieg eine Funkstation eingerichtet. Dort versahen auch einige Mahlberger Soldaten ihren Dienst.
1940
Vom 14. April bis 6. Oktober wurde erstmals die Sommerzeit eingeführt.
1944
Am 22. September 1944 war ein kritischer und schwerer Tag für die
deutschen Kolonisten in Bosnien. Jahrelang hatten sie sich gewehrt und
ihre Dörfer verteidigt, so daß trotz verschiedener Überfälle
die feindlichen Verbände nie wirklich in die Ortschaften herein gekommen
waren. Aber jetzt war die Lage anders.
Durch Verrat war die Kreisstadt Banja Luka gefallen und die Feinde waren
dabei, die Bezirksstadt Bosnisch-Gradiska zu erobern. So kam in aller
Frühe am Morgen des 22. September 1944 der Aufruf: “Alle deutschen
Siedler müssen weg, und zwar sofort!”
Durch die Hilfe einer Kosakeneinheit unter einem deutschen General gelang
also die Flucht über Ungarn bis Niederösterreich. Im Bezirk
Bruck/Leitha wurden die Flüchtlinge auf die Dörfer verteilt.
1945 Mai
Der II. Weltkrieg ist zu Ende.
1945 24. Juni
Die Gemeinde wird von einem schweren Hagelunwetter heimgesucht.
1945
Bis zum zweiten Weltkrieg versorgt sich Mahlberg selbst mit Wasser aus
eigenem Wasserreservoir. An der Chaussee von Mahlberg in Richtung Rheinbach
am Fuße des Michelsberges befindet sich ein Sammelbecken, welches
über ein Rohrleitungssystem aus den am Hang des Michelsberges gelegenen
Quellen mit Wasser gespeist wird. Das Wasser fließt dann mit Gefälle
aus dem Wasserbecken in eine Wasserleitung und so in die einzelnen Haushalte
des Dorfes.
Das im Becken gesammelte Wasser reicht jedoch zur Wasserversorgung des
Dorfes nicht immer aus. In Trockenzeiten muß man auf die Brunnen
auf dem Hof der Schule und im Rohlersiefen, auf den Drompütz zurückgreifen.
Das Wasser aus dem Drompütz ist wegen seiner schlechten Qualität
für Menschen ungenießbar und nur zur Viehtränke geeignet.
Gegenüber dem Hause Peter Rick (Michelsbergstraße 14) steht
am Straßenrand noch eine Wasserpumpe, die aus einem Brunnen Wasser
aufnimmt. Dieser Straßenteil heißt heute noch im Volksmund
“De Pomp erop”. Mehrere Häuser können sich noch aus
anderen Brunnen versorgen, z.B.: Haus Fass Breitestraße 38, Haus
Lingscheid Fringsgasse 1. Im Letzten stand 1985 noch Wasser.
1946 3. August
Der Amts-Oberinspektor des Amtes Münstereifel-Land gibt folgendes
bekannt:
Das Ährensammeln auf Grundstücken, von denen die Frucht noch
nicht restlos abgefahren ist, ist verboten. Nur mit schriftlicher Erlaubnis
des Grundstücksbesitzers versehene Personen dürfen solche Grundstücke
betreten. Die Feldhüter sind angewiesen schärfste Kontrollen
durchzuführen und Zuwiderhandelnde unbedingt zur Anzeige zu bringen.
Münstereifel, den 3. August 1946
1947 15. März
Die ländliche Berufsschule für die Orte Schönau und Mahlberg wurde eingerichtet unter Leitung des Lehrers Clemens Schmitz.
1947
In diesem Jahre ist ein sehr trockener Sommer, begleitet von langen Trockenperioden.
1950 März
Mehrere Erdbeben werden registriert.
1950 13. Juni
Unwetter mit Wolkenbrüchen. In das Anwesen von Johann Manheller schlug der Blitz ein. Es entstand kein größerer Schaden.
1950 18. Juni
Wahl zum Landtag und Volksentscheid über Annahme der Verfassung für das Land Nordrhein-Westfalen
| CDU |
116 |
Stimmen |
Zentrum |
30 |
Stimmen |
FDP |
14 |
Stimmen |
SPD |
11 |
Stimmen |
KPD |
4 |
Stimmen |
DP |
3 |
Stimmen |
Ungültige |
17 |
Stimmen |
1950 September
Für die Michelskapelle wurde ein kleines, gebrauchtes Harmonium angeschafft.