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Flur- und Gemarkungsnamen

Flur- und Gemarkungsnamen im Mahlberger Gebiet nach der Zusammenlegung in den Jahren 1954/56.

Versuch der Namen-Deutung

Allgemeines:

Die Menschen gaben schon immer Bergen, Fluren und Auen ihre Namen. Diese Namen entstammen hier in der Nordeifel meistens dem Dialekt der Ripuarier, einen Teilstamm der Franken, welche im 4. bis 6. Jahrhundert vom Nieder- und Mittelrhein aus in linksheinisches Gebiet vordrangen.

  1. Delle
    Flache, kleine Bodensenkung im Gelände, Talmulde, Schlucht oder Holweg.

  2. Benden
    Vom Wasser durchflossene oder am Bach liegende baumlose Heuwiese.

  3. Siefen oder Seifen
    Enges, schluchtartiges Tal, feuchte Stelle in Acker und Wiese. Diese Siefen sind in unserer gegen meistens zugeschüttet oder trockengelegt.

  4. Scheid
    Grenze, Scheide, Bergriegel, bewaldete Erhöhung. Scheid für Ortsnamen entstammt der keltischen Sprache.

  5. Pesch
    Eingezäunte, ertragreiche Wiese bei Haus und Hof.

  6. Bungert
    Wiese in Hausnähe, eingezäunt und meist mit Obstbäumen bestanden.

  7. Schiffelland
    Brandwirtschaft. Der Aufwuchs des Ödlandes oder Niederwaldes (Loh- oder Schälwald) wird abgeschält und verbrannt; in die Asche wird die Saat gestreut. Es war nur in größeren Abständen möglich, diese Schiffelkultur zu betreiben.
    F. von Restorff schreibt 1830 in: Topographisch-Statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinzen folgendes:
    “Schiffelland ist solches Land, das nach Beschaffenheit des Bodens 12, 20, 30 oder 40 Jahre müßig liegen bleibt. Dann wird der etwa dadrauf befindliche Pfriemen ausgegraben und zusammengebunden;
    hierauf das Land in 1-2 Fuß breiter Entfernung mit dem Pfluge aufgeritzt, damit es leichter bearbeitet werden kann, der Rasen dicker wird und mehr Brand oder Asche liefert.
    Sodann wird das Land geschälet oder der Rasen losgehauen, und ist dieser getrocknet, wird er auf die Pfriemenbündel gelegt und verbrannt. Hiernächst wird Roggen gesäet, worauf eine ein-, auch wohl zweimalige Hafersaat folgt. Dann bleibt das Land wieder müßig liegen und dient zur Weide.”

  8. Rech
    Grasstreifen an Wegen. Kleinerer oder größerer Abhang, auch stufenförmig.

Gemarkungsnamen

  1. Aekers/ Aeckers (Äckesch)
    Geht auf ackeren, eckeren, Eichelmast zurück.

  2. Alkersseifen
    Vermutlich hielten sich hier Wasservögel auf. Alk ist ein nordischer Tauchvogel. Seifen siehe unter C.

  3. Alt Rott
    Eine alte Rodung. Dort stand bis zum 30jährigen Krieg das Dorf Mahlberg.

  4. Am Galgenbenden (Jalejebähne)
    Bezeichnet nach dem Galgen des “Großen Gerichts” auf dem Michelsberg, welche hier gestanden hat.

  5. Am Haddertsiefen
    Der Name deutet auf eine alte Kampfstätte oder einen Kriegsschauplatz hin. Es war vielleicht bei bei den Germanen der Austragungsort für Privatfehden. Hader = Streit. Siefen siehe unter C.

  6. Am Hagelkreuz, Hagelkreuzweg
    Flurkreuz, wo einmal Felder durch Hagelschlag schwer gelitten haben. Eine Bittprozession zieht am Christi-Himmelfahrtstag dorthin und betet um gute Witterung.

  7. Am Hohnerbusch
    Hohn kommt von Hain, Hag. Es bedeutet eingefriedeter Weideplatz oder eingehegter Wald.

  8. Am Kirchenpfad
    Zur Kirche hinführend.

  9. Am Kreuzchen/ Am Kreutzchen
    Weist auf ein altes Prozessionskreuz oder eine Wegekreuzung hin.

  10. Am Krohm

  11. Am Lindchen
    Grundrisse einer römischen Ansiedlung und Keramik wurde hier gefunden. Die Fundstelle liegt heute unter einer Wiese. Die Römerstraße von Bonn nach Trier führte hier vorbei. Hier war eine Art Raststädte für den Pferdewechsel oder die Straßenmeisterei.

  12. Am Michelsberg (586,1m)
    Eindeutig für Flur am Michelsberg.

  13. Am Münsterweg
    Am Weg nach Münstereifel.

  14. Am Trinkpütz
    Tränke, Sauftrog für die Tiere, Viehtränke am Bach.

  15. An der Hüh
    Auf der Höhe, am Berghang.

  16. Auf dem Bruch
    Hinweis auf einem ehmaligen Steinbruch.

  17. Auf dem Eigem (auf Megem)
    Früheres, nicht abgabepflichtiges (zehntfreis) zur Abtei Prüm gehörendes Land.

  18. Auf dem hohen Rech

  19. Auf dem Ring (om Rong)
    In der Nähe er Straße nach Reckerscheid (am Lindchen?) war ein Befestigungswall, Ringwall.

  20. Auf dem Schuss
    Formbezeichnung für ein spitz zulaufendes Geländestück.

  21. Auf den Eiden
    Weist auf eine frühere Thingsstätte hin.

  22. Auf der Aft
    Für Abseite, die der Sonne abgewandte Seite.

  23. Auf der Hard/ Auf der Hart
    Bezeichnung für Wald, Bergwald.

  24. Auf der Ort (Orth)
    Unweit einer Fluss- oder Bachmündung.

  25. Auf der Pöhle (Op de Pöhle)
    Dies ist eine mit Buchen- und Eichenwald bestandene Hochfläche.
    Pohl heißt so viel wie Pfütze, Teich, Tümpel. In der Gegend sind noch viele Quellchen, Rinnsale und Wasserstellen. Vor der menschlichen Besiedelung dürfte hier ein wildreiches Sumpfgebiet gewesen sein.
    Hier wurden steinzeitliche Jagdwaffen aus Feierstein und Geweihstangen gefunden. Das Institut für Früh- und Urgeschichte der Universität Bonn schätzte das Alter der Fundstücke auf 8000 bis 10000 Jahre.
    Sie stammen also aus der nacheiszeitlichen mittleren Steinzeit (Mesolithikum). An der Hauptfundstelle hat man eine gute Fernsicht in nordwestlicher Richtung. Auch lässt die Mehrzahl der Fundstücke auf eine Jagd- oder Lagerstätte, die unterschiedlichen Feuersteinarten vielleicht auch auf einen frühzeitlichen Handelsplatz schließen.

  26. Auf der Steinrausch
    Steiniger Acker, steiniger Hang, auf den Äckern aufgelesene Steine wurden dort abseits abgeschüttet

  27. Auf Gitzem
    (Am Ende der Straße war bis 1956 auf der linken Seite die Schutt- und Müllgrube.)

  28. Auf'm Schußberg
    Abschüssiges Gelände. Siehe auch Nummer 19.

  29. Bleielsnück (540,2m)
    Hier befand sich das kleine Gericht. Im Boden wurden die Fundamente eines Hauses gefunden und freigelegt, vermutlich Reste eines Gerichtshauses.

  30. Bliesthal

  31. Brandstoppel
    Ort, an dem was verbrannt wurde, vielleicht war es auch Schiffelsland.

  32. Büchel
    Leichte schildförmige Erhebung im Gelände

  33. Büsterich

  34. Eierberg
    Am Orthsberg rechts vorbei führte ein Fußweg über Eicherscheid nach Münstereifel. Auf diesem Wege brachten früher die Bauern ihre landwirtschaftlichen Produkte, vorwiegend Eier (in Körben auf dem Kopf) zum Wochenmarkt nach Münstereifel.

  35. Eklappesch
    Pesch siehe unter E.

  36. Ellert
    Erlengebüsch, Erlenhain, Erlenort.

  37. Erdeln (In den Erdeln)
    Bau des Dachses oder Fuchses.

  38. Essisch (Om Essisch)
    Mittelhochdeutsch heißt Essisch = Saatfeld, vielleicht auch für saure Wiesen

  39. Furth
    Grenzfurche zwischen zwei Feldern.

  40. Furthsiefen
    siehe Furth.

  41. Gierlichshausen (Jülichhuse)
    Hier hat in früherer Zeit eine einzelne Schmiede gestanden. Das Wort Jüle nimmt eventuell Bezug auf das Herzogtum Jülich, zu welchem unser Gebiet gehörte. Rechts der Straße fand man im Ackerboden eine Vielzahl bleiglasierter, mittelalterlicher Keramikscherben und Stücke von Ziegeln, Dachziegeln und steinharten Kalkstückchen.

  42. Gitzendelle

  43. Habertsiefen
    Vielleicht Haferfeld, denn Haber ist das alte Wort für Hafer.
    Siefen siehe unter C.

  44. Hadert oder Haddert
    siehe Nummer 5

  45. Hasenbruch
    Hier war früher die Mahlberger Heide (Haide).

  46. Hasenhecke

  47. Heisterpützchen
    Bezeichnung für eine früher sehr bekannte Quelle im Mahlberger Wald. Zur Zeit der Blaubeer-Ernte haben hier die Beerensammler auf dem Weg in die Heide gerne ihren Durst gestillt. Die Quelle ist an ihrer alten Stelle unterhalb einer Buche versiegt und tritt jetzt zehn Meter tiefer zutage, ohne noch beachtet zu werden
    1980 wurde in der Nähe eine Feuersteinspitze und eine große zweizackige Harpune aus Geweih gefunden.
    Damit scheint es als erwiesen, dass schon zur Steinzeit die damaligen Menschen die wasserreiche Flur als Rast- oder Jagdplatz benutzt haben.
    Heister = Hainbuche oder Laubbaum ohne Krone. (Solitärpflanze).

  48. Hinten zu Mahlberg
    Abseite, nach einer untergegangenen Siedlung benannt, welche zu Mahlberg gehörte, vielleicht Hochscheid.

  49. Hochbenden
    Hoch oder höher gelegener Benden (Wiese).

  50. Hohberg (574,5m)
    Der hohe Berg, so in alten Karten zu lesen

  51. Hombach (Homisch)
    Benannt nach einem Rinnsal, mit Namen Hombach, fließt in den Waldbach.

  52. Im Bruchgarten
    siehe Nummer 16.

  53. Im Entensiefen (Mentesiefe)
    Hier hielten sich früher vermutlich Wildenten auf.
    Siefen siehe unter C.

  54. Im Markerseifen

  55. In der Hart
    siehe Nummer 23.

  56. In der Hombach
    Von dem lateinischen Wort “humid” feucht, nass. Feuchtes Tal, feuchte Niederung.

  57. In der Lach
    Flachmuldige, ausgebreitete Vertiefung in Feld oder Wiese, von Wasser durchflossene Bachwiese.

  58. In der Rosenheck
    Wahrscheinlich wuchsen dort Wildrosen.

  59. In der Schussbach
    siehe Nummer 20.

  60. In der Waldbach (Wallebisch)
    Hier fließt der Waldbach zum Erftstaubbecken Eicherscheid.

  61. Inssemsseifen

  62. Jesuitenbenden (Jesuwite-Bähne)
    Am Michelsberg wurde von Schönauer und Mahlberger Bürgern den Jesuiten Land geschenkt, zu Nutzen der Jesuiten und der Kapelle.

  63. Klausbenden

  64. Kop Nück (514,4m)
    Kleine kegelförmige Bergkuppe. Auf Kop Nück wurde bei der Flurbereinigung in den 1950er Jahren eine Siedlung angelegt.

  65. Koppenhärdchen

  66. Kreuzhecke
    siehe Nummer 9.

  67. Oedertswald (Öddert)
    Der Name könnte sich auf Odin (von Germanen verehrte Gottheit) beziehen. Die alten Germanen glaubten, dass hier in Sturmesnächten Odin, auch Wodan genannt, zu Pferde auf die Erde kam.
    Er hatte auf dem Michelsberg seinen Thron und die Germanen weihten ihm dort eine Kult- und Opferstätte. Dieser Platz war gleichzeitig auch Thing- und Gerichtsstätte.
    Seit Beginn der christlichen Zeit verehrt man den heiligen Erzengel Michael.

  68. Radental (Rodendell)
    Stelle einer Rodung zum Zweck der Flurerweiterung.

  69. Rauhdriesch
    Rauhes, unwirtlich mit Gestrüpp bewachsenes Land, Driesch ist zeitweise beackertes Land, danach bleibt es wieder einige Jahre brach liegen.

  70. Riegelscheid
    Riegel = Grindel = Biergriegel
    Scheid = Grenze

  71. Rohlerseifen
    siehe unter C.

  72. Scheidseifen
    siehe unter C. und D.

  73. Scheurenbenden
    Benden an einer freistehenden Scheune.
    siehe unter B.

  74. Schindskuhle
    Schutt- und Müllgrube am Haddertsiefen. Bei der kommunalen Neuordnung wurde sie geschlossen. Bis 1981 wurde alles nach Arloff gebracht.
    Jetzt ist eine Großdeponie in Mechernich.

  75. Schusstal
    siehe Nummer 20.

  76. Schöppcheshau
    Schopp = Schuppen, Hau = Holzschlag.

  77. Stucks
    Vielleicht Stockhut, unteilbarer und unveräußerlicher Herrenbesitz.

  78. Wahlsnück (515,3m)
    Wahl = Wiege, unfestes mooriges Gelände.
    Nück = kleine, kegelförmige Bergkuppe.

  79. Wichertsberg ( 476,4m)
    Wichert, Weikert steht für Kohlfelder.

  80. Zehnmorgen, Zehnmorgenheck
    Ursprünglich Heideland im Gemeindebesitz, wurde von den Franzosen während der napoleonischen Besetzung in zehn Parzellen von je einem Morgen aufgeteilt, und an Bauern als Ackerland oder Wiese verkauft.

  81. Zollstock
    Wegschranke, Schlagbaum, wo Straßenzoll erhoben wurde.
    Hinweis auf ehemalige Zollgrenze zwischen den Gebieten des Herzogtums Jülich und Kurköln.

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