Das Funkfeuer IDA auf dem Hohberg
Der Artikel wurde anlässlich der 1100-Jahrfeier 1993 von Edgar Fass geschrieben. Wir bedanken uns herzlich bei Heinz Reidenbach für die freundliche Genehmigung, den Artikel für Mahlberg.info verwenden zu dürfen.
Auf einem Nebengipfel des Michelbergs, dem Hoherg, 580m NN, installierte die Luftnachrichtengruppe im zweiten Weltkrieg die Funkstation bzw. das Funkfeuer mit dem Codenamen IDA. Die Funkstation bestand aus drei Geräten, die den Amerikanern nach dem Einmarsch am 7. März 1945 unversehrt in die Hände fielen (mündlich überliefert durch Peter Lethert, Mahlberg). Es handelte sich um fahrbare Geräte mit folgenden Funktionen:
-
Leitfunk zur Orientierung der deutschen Flugzeuge, insbesondere der Nachtjäger gegen feindliche Flugzeuge mit 100-Watt Empfänger und einem Radius von 200-300 km.
-
Suchfunk oder Suchradar mit einem Radius bis zu 100 km.
-
UKW-Sprechfunk für die Kontakte zu den Gefechtsstationen.
Diese Funkfeuer-Stationen hatten in der Regel eine Besatzung von acht Personen und unterstanden den Flugmeldekompanien (mot) und waren in die feste Organisation des Flugmeldedienstes eingefügt. Dieser wiederum unterstand dem sogenannten Luft-Gau-Kommando.
In den Befehlsständen der Funkstation fanden mehrere Soldaten: ein Offizier, ein Feldwebel und mehrere Funker Platz.
Zum Schutz waren die Kabinen mit Wellblech überdacht und der Suchradar war in einem Betonbunker untergebracht. Zwei Suchscheinwerfer und ein Aggregat vervollständigten die Ausstattung dieser mobilen Funkstation; (mündlich überliefert durch Heinrich Schuch, Köln; er war im 2. Weltkrieg Mitarbeiter der Luftgau-Nachrichtengruppe, Kommando Brüssel).
In der Literatur fand das Funkfeuer IDA in der Geschichte der Luftnachrichtengruppe, Band II - Der Weltkrieg, Teil 1 Beachtung: Der Flugmeide- und Jägerleitdienst 1939 - 1945, Herausgeber Karl-Otto Hoffmann. Es wird dort geographisch bei Münstereifel genannt und ist auch kartographisch als schweres Funkfeuer mit Stand vom August 1944 aufgeführt. In der vorgenannten Literatur 1945 wie folgt Bezug genommen:
“Eine weitere Streitmacht von 95 schweren Bombern wählte den Einflug in das Reich. Um den Nachtjägern in West- und Norddeutschland den Einflug von Großverbänden der “Viermots” vorzutäuschen und sie anzulocken, flogen zwei kleine Verbände von je 12 Mosquitus bei Duisburg und Mainz ein und warfen große Mengen Düppel. Durch die Störung der Funkmeßgeräte konnte der Flugmeldedienst die auf der Route Koblenz nachfolgenden wirklichen Großverbände mit dem Angriffsziel Rositz und Chemnitz nicht eindeutig das Rhein-Ruhrgebiet und die Versammlung der Nachtjäger über dem Funkfeuer “Kurfürst” bei Goch. Die zuerst unter dem Störschirm hervorkommenden 24 Mosquitos bewirkten zuerst eine Täuschung dauerte nicht lange, denn bald nach dem Erkennen des “Großangriffs” auf Norddeutschland durch die über die Nordsee und audf der “Express-Route” fliegenden Bomber sowie der Mosquitos in Westdeutschland, brach die Hauptstreitmcht für Rositz und Chemnitz in Richtung Koblenz südlich von Aachen durch den “Störzaun”. Die Nachtjäger wurden sofort zum Funkfeuer IDA bei Münstereifel dirigiert, das auf der neu erkannten Flugroute lag. Bei Koblenz trennten sich dann aber die für Rositz und Chemnitz bestimmten Großverbände, trafen sich dann aber wieder bei Erfurt. Die zu Funkfeuer IDA befohlenen Nachtjäger wurden dann auf die Verfolgung der Hauptverbände geschickt, aber diese konnten den mit Vorsprung fliegenden Gegner nicht mehr einholen. Drei Stunden nach diesen Großraumangriffen wurden die Freya-Geräte im südlichen Gebiet der 3. Jagddivision gestört. Aus dem Störzaun kamen zuerst 33 Mosquitos, die durch Düppel einen Großverband vortäuschten und Richtung auf Mainz und Frankfurt nahmen. Acht Flugzeuge dieses Verbandes warfen Bomben auf Frankfurt, elf griffen Nürnberg an und 14 flogen bis Dessau. Die erneut nach Köln (Richtung Funkfeuer IDA) und später nach Frankfurt befohlenen Nachtjäger konnten den dann folgenden Großverband in Richtung Mannheim, später nach Chemnitz abdrehen, wegen der Düppelstörungen auch bei den SN2-Bordgeräten nicht sicher auffinden, und nur wenige erreichten den Bomberstrom auf dem Wege nach Chemnitz. Das Kriegstagebuch des Oberkommando West (OKW) berichtet dazu am 15. Februar 1945: “Nachts 800 Bomber in zwei Anflügen gegen Chemnitz, dagegen 118 Jäger. Zehn Abschüsse und zehn Verluste.”