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Die Geldkiste bei den drei Linden

Drei französische Rekruten hatten im Jahre 1814 die Kasse ihres Regiments, das nach der Völkerschlacht bei Leipzig aufgerieben worden war, vor ihren preussischen und russischen Verfolgern bei Bonn glücklich über den Rhein gerettet. Sie hatten vor, die Kiste mit dem Geld nach Frankreich zu bringen. Aber ihre Verfolger spürten sie bald auf. Sie hatten das Gefühl, auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden. Nirgends konnten sie sich sicher fühlen, selbst nicht in der Dunkelheit der Nacht. Gehetzt von einer preussischen Reiterschwadron, gelangten sie endlich in den Münstereifeler Stadtwald, wo sie sich tagsüber in einem Dickicht versteckten. Beim Mondschein fanden sie in der Nähe des 'Decken Tönnes' eine Hütte, in der damals die Marktleute und Bauern aus Effelsberg, aus der Sahr und die Pilger zum Michelsberg sommertags bei Gewittern, die dort oft plötzlich auftreten können, Schutz suchen. Die Statue des heiligen Antonius des Einsiedlers stand damals noch auf einem steinernen Sockel ungeschützt in der Natur.

Die drei Franzosen berieten, was sie nun mit der Kasse tun sollten, denn sie waren am Ende ihrer Kräfte und das Geld war schwer. Hunger und Kälte hatten ihnen sehr zugesetzt. Sie kamen überein, den Schatz zunächst zu vergra¬ben; die Truhe aus Eichenholz würde in der nächsten Zeit nicht verfaulen. So gruben sie mit ihren Händen ein Loch in den Waldboden, senkten danach die Kiste hinein und verscharrten sie. Da Vorfrühling war, kam einer von ihnen auf den Gedanken, als unverdächtige Markierung zum besseren Wiederfinden der Regimentskasse in einem gewissen Abstand unauffällig drei Lindenschößlinge zu pflanzen. Sie fanden auch bald deren drei und steckten sie in den vom Regen aufgeweichten Boden. Nun zogen sie im Morgengrauen gen Rodert und kamen in Münstereifel in preussische Gefangenschaft. Der Hunger hatte sie dazu getrieben.

Nach dem Friedensschluss wurden sie freigelassen. Sie suchten ihren Schatz, fanden ihn aber nicht mehr, denn die Lindenschößlinge waren noch klein. Mutlos saßen sie nun im Graben des Effelsbe10.06.2005ie ein Stück Wegs mitnehmen würde. Da gewahrte der, der damals die drei Linden zu pflanzen geraten hatte, die Stelle mit den Schößlingen in frischem Grün. Sogleich begannen die drei den Boden umzuwühlen und fanden tatsächlich ihren Schatz unversehrt. Voller Freude fielen sie sich in die Arme. Jetzt konnten sie die Heimfahrt antreten.

Doch einer von ihnen hatte sich als Kriegsgefangener bei einem Bauern der Umgebung verdingt und Gefallen an des Bauern Töchterlein gefunden. Von seinem Anteil an der Regimentskasse kaufte er den Hof Unterdickt und heiratete bald darauf das Bauernmädchen. Die beiden andern gelangten nach kurzer Zeit in ihre Heimat.

Nach vielen Jahren trafen die drei Freunde sich noch einmal. Eines Morgens wanderten sie hinaus zum 'Decken Tönnes' und gelobten, für die Statue des heiligen Antonius ein Kapellchen zu errichten. Mit Hilfe des Geldes, das seine Kameraden ihm dafür überlassen hatten, setzte der Unterdickter Bauer das Versprechen in die Tat um. Er ließ die Kapelle genau an der Stelle errichten, wo er und seine Kameraden die Kiste mit dem Regimentsschatz vergraben hatten.

Noch heute stehen zwei der Linden rechts und links des Kapellchens. Die, die dahinter stand, musste gefällt und durch eine neue Linde ersetzt werden.

Nacherzählt von J. M. Ohlert nach dem mündlichen Bericht von Frau Margarethe Wirges, geb. Strang, Uhlenbergweg, Bad Münstereifel.

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