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Die Kapelle auf dem Michelsberg

Die Wallfahrtskirche auf dem Michelsberg, deren Grundstein die Grafen von Blankenheim legten, wollte man ursprünglich in Mahlberg errichten. Aus nah und fern schleppte man zu dem Zwecke Baumaterial herbei. Aber sonderbar! Jeden Morgen, wenn die Bauleute zur Arbeit erschienen, fanden sie Steine und Mörtel und alles, was man am Tage vorher mit Mühe zur Stelle geschafft hatte, hoch oben auf der Kuppe des Michelsberges wieder, als ob es eine unsichtbare Hand dorthin getragen hätte.

Das galt als ein Zeichen vom Himmel. Wie aber nun allen Bedarf auf die Höhe schaffen? Man dachte hin und dachte her; keiner wusste Rat. Kommt da eines Tages der leibhaftige Gottseibeiuns - als schmucker Jäger gekleidet - des Weges daher und wie er die Leute so emsig bei der Arbeit sieht, stellt er die neugierige Frage, was man denn eigentlich baue. Die Bauhandwerker sahen gleich an der langen Hahnenfeder und dem bekannten Pferdefuß, wen sie vor sich hatten. Sie kannten jedoch keine Furcht und gaben ihm dreist zur Antwort: “Ein Wirtshaus soll es werden.”

Unter den Arbeitern war aber einer, dem die Schultern vom Steinetragen schmerzlich drückten. Weil er ein besonderer Schlaukopf war und wohl wußte, wie bewandert der Teufel in gar manchen Künsten ist, dachte er, ihn für seine Tätigkeit zu gewinnen und fragte den Pferdefüßigen: “Willst du nicht auch etwas zum Bau beitragen und beim Handlangern mithelfen?”

Der also Gefragte ließ sich die Sache nicht lange durch den Kopf gehen, denn bei einem Wirtshause glaubt der Teufel schon immer auf seine Kosten zu kommen und darum sagt er zu. Neidlos überläßt man dem Höllenfürst die schwerste Arbeit, und nun schreitet das Werk rüstig voran, besonders da der Satan an den folgenden Tagen noch Hilfe mitbringt. Bald ist der Bau fertig; am Turm fehlt nur noch der Helm.

Eines Morgens kommt der Teufel über Roderath. Er trägt einen gewaltigen Stein, den er unterwegs wohl irgendwo aufgeladen hat. Nicht weit vom Witscheiderhof sieht der Teufel, wie man eben auf dem Dache des Gebäudes auf dem Michelsberg überm Chor ein Kreuz anbringt. Erst jetzt merkt er, dass er betrogen ist und grimmig wirft er den Stein zur Erde.

Der Stein zeigt eine Vertiefung, als hätte des Teufels Kopf den Stein hier eingedrückt. 'Am weißen Stein' liegt er noch heute.

J. Oehmen, Rheinbach: Die Kapelle auf dem Michelsberg. In: Münstereifeler Zeitung vom 26.02.1927

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Web    mahlberg.info

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