Ein Kuhhandel mit dem “Decken Tönnes”
Eine Geschichte, welche sich wirklich vor 180 Jahren nahe dem Michelsberg bei Münstereifel zugetragen hat:
Eine Frau ist zu Fuß auf dem Weg zum Gericht in
Münstereifel. Sie ist in Sorge, ob der Prozess zu ihrem Gunsten ausgeht.
Sie kommt an der Antoniuskapelle, im Volksmund 'Decke Tönnes' genannt,
vorbei und bittet den heiligen Antonius um Fürsprache für einen
guten Ausgang des Gerichtsverfahrens. Als Gegenleistung verspricht sie
ihm den Erlös einer Kuh zu spenden, welche sie später verkaufen
würde.
Der Prozess geht gut für sie aus.
Sie kommt auf dem Rückweg wieder an der Kapelle vorbei. Irgendwie reut es sie, ein so großes Versprechen gemacht zu haben. Sie geht nicht in die Kapelle, sondern vorbei und sagt nur: “Heiliger Antonius, ich denk' später dran!” So geht es bei allen Anlässen, wenn sie an der Kapelle vorbei muss. “Ich hann et nitt vergesse. Ich denk ens dran.”
Eines Tages kommt die Frau mit einer Kuh am Seil und einem Sack mit einem Hahn darin an der Kapelle vorbei. Sie ist auf dem Weg zu einem Viehhändler in Münstereifel, dem sie Kuh und Hahn verkaufen will.
Der fragt sie: “Was verlangst du für die Kuh?”
Die Frau erwidert. “1 Taler”.
“Das kann doch nicht wahr sein”, entgegnete der Viehhändler. “Die Kuh ist doch mindestens 100 Taler wert.”
“Nein, 1 Taler”, sprach die Frau.
“Was hast du in dem Sack?” fragte der Viehhändler.
“Diesen Sack musst du mitkaufen. Er kostet 100 Taler. Zusammen mit der Kuh also 101 Taler. Sonst gebe ich die Kuh nicht her”, sagte die Frau.
Der Viehhändler ging auf das Geschäft ein und gab ihr die 101 Taler.
Auf dem Rückweg warf die Frau den 1 Taler für die Kuh in den Opferstock beim heiligen Antonius und sprach: “He, jetzt häste ding Kooh.”
Pfr. i. R. Hubert Köllen, Frechen: Kuhhandel, erzählt von Schreinermeister Clemens 10.06.2005auml;rz 2000. Archiv J. M. Ohlert
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