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“St. Michael hilf!”

Aufsatz zur Zeitgeschichte geschrieben vom verstorbenen Dechant Emonds aus Kirchheim

Aus “1100 Jahre Mahlberg - 893 bis 1993”. Wir bedanken uns herzlich bei Heinz Reidenbach für die freundliche Genehmigung, den Aufsatz für Mahlberg.info verwenden zu dürfen.

Hoch über den Weiten der , vorderen Eifel, nahe bei dem alten Städtchen Münstereifel wacht seit undenklichen Zeiten der Michelsberg.

Die höchste der basaltnen Kuppen, in der Urzeit ein gewaltig auflodernder Vulkan. Zur Römerzeit eine wohlbefestigte Wachte, zum Schutz und Schirm der Heerstraße von der Mosel bis zum Rhein. Dann ein Mal-Berg, eine Opfer- oder Dingstätte unserer heidnischen Vorfahren. Wo die Feuerzeichen der Römer flammten, rauchten die Opfer dem wilden Wodan zu Ehren auf riesigem Steine. Bis St. Michael, der lichthelle Fürst der himmlischen Heerscharen, der siegreiche Feind der heidnischen Finsternis, den Gott des wütenden Sturmes, der höllischen Hatz für ewig in den tiefsten Abgrund der Erde stieß. Darob hieß die kahle Kuppe, die weithin in die Lande sah, St. Michaels-Berg. Indes ein kümmerliches Dörfchen am Fuße des nun mehr heiligen Berges sich in dumpfer Erinnerung “Malberg” nannte.

Und als die Prümer Mönche drunten im Peterstale, das ihnen die fromme Königin Bertrada geschenkt, am Ufer der munter murmelnden Erft das neue Münster prächtig erbaut hatten, da erstand auch auf diesem Mons Garganicus dem gewaltigen Engelsfürsten, dem Schutzherren der tapferen Deutschen, ein bescheidenes Kirchlein. Da fuhren fromme Waller, edle Ritter, wackre Streiter, mit ihren Hausfrauen und Kindern Jahr für Jahr am Fest des heiligen Erzengels Michael, eine vielgetreue Bruderschaft, betend und singend auf den Berg.

Eine neue Kapelle, ein zierliches Chörchen, ein keckes Türmchen, das bis zu den Ufern des Rheines lugte, ward von dem gottseligen Blankenheimer Grafen dem getreuen Schirmer erbaut.

Doch allmählich, wie ritterliche Zucht und Ordnung schwand, erlahmte auch der Eifer der St. Michaels-Bruderschaft. Was vermochte wider den Donner , mörderischer Kriege der ritterliche Held? Nur selten fand ein zähes Bäuerchen, dessen Ahne schon zum Berg gepilgert war, durch Busch und Heide den verwachsenen Weg. Ach, wüst und leer war das zierliche Kirchlein! Gierige Schnapphähne, die in und nach den endlosen Kriegen auch die öden Eifelhöhen nicht verschonten, hatten es jämmerlich ausgeraubt. Sogar das Glöcklein im Turm hatten sie mitgehen lassen. “Hihihi!” lachte ein hutzliges Weib, eine heimliche Hexe, die wohl nächtens mit ihrem höllischen Buhlen um das verwüstete Heiligtum des Teufelssiegers fuhr, dem verdutzten Bäuerchen ins Gesicht, “Was willst du droben, du Narr? Der Michel, hihi, der ist tot!”

Der andere aber, den sein Flammenschwert in die Hölle gestürzt, er lebte! Jämmerlich waren die Zeiten im deutschen Land: Dreißig Jahre Krieg, von einem Ende zum anderen Raub, Brand, Mord, Sünde und Schande, gräßliche Greuel. Da verkroch der Bürger sich in den Keller und ward um eines elenden Stübers willen teuflisch gemartert. Da floh der Bauer, seine erbärmliche Hütte im Stich lassend, in den Wald, lebte wie das wilde Getier. Große und reiche Dörfer standen verlassen. Keinen Nagel mehr hatten Kaiserliche Und Franzosen, Kurfürstliche und Schweden in der nackten wand gelassen. Weh dem Mägdlein, der ehrbaren Hausfrau, dem hinfälligen Weib! In den Wald St. Michael, Fürst der himmlischen Scharen, flohst du von hinnen, Sieger im Streit?

Nach diesem schrecklichsten aller Kriege schlich die Pest sich ins Land. Aus dem reichen, lustigen Köln, das nun gleich wie ein ungeheuer - großer und trauriger Friedhof war, bettelten sie sich zerlumpt und verseucht das Vor gebirge hinauf, durch das ausgeplünderte, einsame Zülpicher Land. Da fielen, die übrig geblieben waren, um wie die f=liegen. Wie Feuers Funke, den der Sturmwind über , die Lande weht, drang das große Sterben ins Tal der Erft. In Euskirchen geht's bei den Webern um - husch verrammelt die Tore! In Kuchenheim traf's eine Bauernmagd - ach, wer ist dann noch sicher? Und nun ist es schon in Stotzheim, hu!

Zum Michelsberg zieht die Prozession Voran die ganze hochlöbliche Klerisei Dahinter Bürgermeister und Rat

Samt aller Bürgerschaft. Mann und Frau, Söhne und Töchter, Knechte und Mägde, Einhellig haben sie sich aufgemacht

Auf dringendes Anraten, unter der Direktion der P.P. Societatis Jesu, die nunmehr seit vierzig Jahren dem Gymnasio Sci. Michaelis mit löblichem Eifer vorstehen, auch mit Predigen, Beichthören, Catechesieren und andern standmäßigen Funktionen das gemeine Beste getreulich fordern.

Ward ihnen ja von dem durchlauchtigsten Grafen von Manderscheidt, Blankenheim und Gerolstein kraft des Jus Patronae das sacellum Sancti Michaelis Archangeli, die Obwacht über das St. Michaels Kirchlein, welches uralter Veneration halber von vielen Benachbarten wiederum mit besonderer - Andacht in den misera belen Zeitläufen besucht werden sollte, allergnädigst conferiert und aufgetragen.

So haben sie dun schweren und nicht ungefährlichen Prozessionsweg angetreten. Der hochwürdigste Herr , Stiftsprobst zuerst die Monstranz tragend. Uff! Ein saurer Gang für den recht beleibten und gemächlichen Herrn! Die Hände werden müde. Der Rücken schmerzt unter dem schweren Chormantel. Hätte nicht ein Umgang um die Stiftskirche zwecks Beschwörung der beschrieenen Seuche genügt? Immer mürrischer wird des Probstes schweißtriefendes Gesicht. Erfinden immer neue modi, die Eiferer von der löblichen Societät!

Auch Herr Jobst, der Pfarrer, der gar leicht den Saum des pröbstlichen Prunkgewandes hält, verzieht ein düsteres Antlitz. überall setzen sie sich wie der Kuckuck ins fremde Nest! Nun haben sie sich auch das Sacellum auf dem Michelsberg erschlichen! Er ballt die freie Faust, des Städtchens finsterer Seelenhirt. Mir kommt ihr , nicht in den Pferch!

Der Rektor des Gymnasio Sci Michaelis, ein feines kluges Herrchen, das den linken Zipfel hält, lächelt verklärt: O, sie wird wieder aufleben, die gottselige Übung und Devotion.

“Sainte Michael ora pro nobis!” hell schmettert sein Gebet.

Der Bürgermeister Johann Caspar Bollenrath, einer getreuen Hauptstadt des Herzogtums Jülich immer wieder erwählter Consul, ist mit nichten freudigen Herzens dabei. Üb sie mir wegen Verwahrung der Stadtpforten-Schlüssel die zwei Viertel Wein von jeder Pforten, so mir bei anhaltender Kriegsgefahr und besorgtem feindlichen überfall wohl zukommen, bei der Rechnung wiederum mitpassieren lassen? Consul Johann Caspar, der die erste Flambane hinter dem Sancticissimus wie einen Herrscherstab oder einen Landsknechtsspieß in fester Hand umklammert, bläst in die Weinbäckchen vor Wut. Ein giftiger Blick schweift hinüber zu „einem Nebenmann, dem Barthel Matthes Roth, dem “abgestandenen Bürgermeister”. Dann mach du's, Sauenjäger, Forellenfänger! Ich schmeiß den Bettel hin!

Heiliger Michael, bitte für uns! beten die Ratsmänner, denken aber an Akzisen, Steuerexekutionen, Einquartierungsbilleter. Folgen ja einander wie die sieben ägyptischen Plagen!

(Ach groß ist die Not! Wer soll da an St. Michael denken?!)

Und immer näher schleicht die infernalische Contagion! Die Flambanen der Biedermänner flackern ängstlich auf und nieder.

(Contagion = Ansteckungsgefahr; Flambane = Armleuchter)

Die Patres Societatis Jesu, die zu zweit hinterdrein pilgern, senken demütig die Augen: aber heiß flammt's in ihren vertrauenden Herzen. Wenn St. Michael doch ein Wunder tun, die grausame Pest vom Städtchen fernhalten wollte, der Sieg über Hölle und Tod!

Die Stiftsherren haben ungern die Kurien am Klosterplatz verlassen. Man hätte den Schrein der heiligen Chrysantus und Daria, der Patrone der Stadt rund tragen sollen!

Und der Scholaster, dessen Stiftsschule bei dem neuen Gymnasio sich leer t, ein trefflicher Lateiner -, brummt verdrießlich: Rerum novarum cupidi! Immer ersinnen sie Neues!

So kommen die Wallfahrer, an den Mühlen entlang, bis zum Dörfchen Eicherscheid. Der Stiftsprobst, schnaufend, schwitzend, hat längst mit dem Pfarrer, dieser baldigst mit dem Rektor gewechselt.

Er hat's angestiftet, habe er lange die Last!

Mit Siegermienen schreiten die l uchmacher allen anderen Zünften voran. Wie ein Pfau bläht sich ihr Meister: “Seit anno 1476 haben wir ein landesherrliches Privilegium!”

Und wir seit 1346 Zunft und Lade murren die Schuster.

Gewaltig müssen die Brudermeister die Silberstäbe über die Streithähne schwingen: Ihr hackt noch mit den groben Schnäbeln aufeinander los, und wenn die Pest ans Werther Tor pocht - Heiliger Michael, bitte für uns!

Die Lohgerber sind spinnefeind mit den Weißgerbern, ein jeder dünkt sich was Besseres.

Und die Weiber, Gott sei's geklagt, am Schluß der Prozession!

Jawohl - Heiliger Michael bitte für uns! Aber die Eheliebste des Bürgermeisters sieht die Ratsweiber giftig von der Seite an: “Welch ein Staat! Wo bleibt denn der Abstand?” “Was bilden die sich ein, maulen die Bürgerfrauen?” und die Mägde recken die Halse nach den Junggesellen da vorn - Heiliger Michael gib mir nen Mann!

Endlich hat man den Eicherscheider Wald hinter sich. Drüben in der Wiesenmulde duckt das Kirchlein von Schönau sich verdrießlich. Sein Pastor tut nicht mit. Er, und nicht diese Eindringlinge da, lauert er grimmig aus dem Schall-Loch, ist der Obwalter des sacelli Sci Michaelis! Küster, keine Glocke wird geläutet!

“Heiliger Michael bitte für uns!”

Mit Ach und Verdruß geht's nun, das Bächlein entlang, zum armseligen Dörfchen Malberg hinan.

Die Brudermeister schultern müde die Stäbe. Droben schielt Hohn aus den Hütten: St. Michael? Der ist tot! Sonst hätte er uns geholfen. Welch ein Marsch die steilen Felsbuckel hinauf. Wüst ist das Kirchlein. Aus den neuen Bänken, so die P.P.Societatis löblich angeschafft, machten die Schnapphähne, die vagabundierenden Loth­ringer, ihr Lagerfeuer.

Von der Brüstung des Türmchens predigt der Rektor umsonst. Von Glaube, Hoffnung, von Liebe und Reue und felsenfestem Vertrauen.

St. Michael ist tot...

Als die Prozession am späten Abend müde und schweigsam wiederum durchs Orchheimer Tor ins Städtchen zieht, empfängt sie der grausige Tod.

Der städtische Sauhirt liegt im Sterben: Die Pest!

Dann aber fiel mit Einquartierung, Kontribution, Exekution der Franzmann übermütig ins Städtchen.

In pleno tagte bis in die tiefe Nacht der Magistrat. Hatte entsetzlich viel, mit dem Billetieren zu laborieren. Sein wilde Völker, die Dragoner. Wohin mi t dem Kapitän und seinen Offiziers? Natürlich zum Bollenrath! Wozu ist. er Consul? Und der Roth, der Barthel, kriegt auch eine Portion. Wer die Ehr hat, der hab nun auch die Beschwer! Wehren sich aber bis ans Messer, diese Zwei. Da sind doch noch Seine Gnaden, der Herr Amtmann, und der Herre Vogt! Mit churfürstlicher Regierung und nicht mit uns führet doch Seine welsche Majestät, dieser schreckliche Vierzehnte Ludwig, nun Krieg, Gott sei's geklagt!

Ein Ratsherr zwinkert gar schlau mit den Äuglein, so vom Wein ewig im Wässerchen schwammen: “Und die Patres dero löblicher Societät?”

Johann Caspar Bollenrath war darob gleich Feuer und Flamme: “Bravo, dahinein legen wir Kapitän und Offiziers.” “Die Dragoner den Zünften in die Betten !” propniert Barthel Matthes Roth, “so stopfen wir diesen Schreiern, diesen Webern, Schustern und Gerber n, die Halse.” Darauf im Ratskeiler einen guten Trunk. Tags nachher wachte der Kapitän, ein wahrer Bärenhäuter, einen gar furchtbaren Skandal: “Was! Sind wir Jesuwiter oder dero Schulbübchen, die den Bakel fürchten? Wofern bis Mittag die Billeter nicht mangieret sind, fallen wir denen Ratspersonen selber in Küche und Keller!” Ehern! da mußten nun wohl oder übel die Stiftsherren dran.

Und irr den vor nehmen, wohl gefüllten Kurien waren's die Barenhäuter, die Lotterbuben nun endlich leidlich zufrieden. Ja, seufzte der Rektor aus erleichtertem Herzen, St. Michael trat geholfen!

Doch bald kam's schlimmer und am schlimmsten. Als erst das Gros mit klingendem Spiel ins armselige Städtchen einrückte. War Kapitän Lejoly ein Teufel, Colonel Lorngeval ist Beelzebub, der oberste der Teufel!

“Tout de suite!” “A la marche!” so hagelte das, so pfiff das wie Peitschenhiebe auf Bürgermeister und Rat. In jedem Bett ein Soldat. Schlaf auf dem Dürpel, du Hund!

Kloster, Gymnasium, Stiftskurien wurden im Nu übervoll. Für die Pferde Fourage, Hafer bis an den Bauch. Für' die Soldaten Mundportionen, Bier und Branntwein. Stübergelder tagtäglich für einen jeden! Für die Herren Offiziers aber das weißeste Brot, den leckersten Braten, den herrlichsten Wein! Colonel Longeval lebte in des Stiftsprobstes Haus wie ein Teufel und wie ein Gott in Frankreich.

Bis in die Nachte tagte der Rat:

Woher Brot, Fleisch, Wein, und all die vielen, vielen Gelder nehmen? So plündern wir , die Häuser, auch die des Consuls, des Rats!

Ach, wie werden da Kasten und Schrank, Bett und Lade bis ins letzte Winkelchen gefegt, und dieweil sich kein Krümel, kein Schlückchen mehr fand, kurz und klein geschlagen!

Wegen ohnverschähmter Renitenz ein bares, ganzes Tausend Reichstaler Kontribution! ließ der Colonel mit schallender Trompete vorm Rathaus verkünden: “Ohn Verzug, und ohn Ausflüchte zu zahlen!”

Widrigenfalls Brand an allen vier Ecken.

Zum St. Michaelsberg pilgert ein Knabchen. In höchster Not.

Ein schmächtig aber mutig Schülerchen vom Gymnasio Sci Michaelis, Die andern sind vom Pater Rektor längst in unfreiwillige Vakanz entlassen worden. Peterchen allein eines Eifelbäuerchens hochbegabtes Söhnchen, des Gymnasii und der Sodalitatis SU Michaelis Stolz und Zier, ist, in einem Winkelchen des Gymnasiums versteckt, trotz all der wilden Soldateska geblieben.

Es hat dein hochwürdigen Pater Rektor kein einzig Wörtchen von seinem Abenteuer verraten. Aber es weiß voll Glauben und Vertrauen: St. Michael, wenn man ihn nur so recht und aus ganzem Herzen bittet, muß helfen!

Das Peterchen ist nicht bange:

Ein Engel trat den jungen Tobias sicher , und weise geleitet.

So schleicht es an der Wache im Nöthener Tor vorüber und gewinnt auf Umwegen das Freie:

Ein Engel hat Joaak er rettet, als über seinem Haupte schon das Schwert gezückt war.

So pirscht es sich durch den Wald zwischen streifenden Marodeuren hindurch. Ein Engel hat dem Propheten Elias den Weg in die Wüste gewiesen.

So läßt an der Mühle hinter Eicherscheid ein Parlez-vouz der ihm unversehens das Pistol auf die Brust setzt, es dennoch laufen, als es tapfer beharrt, nur zum St. Michael pilgern zu wollen.

In tiefem Sinnen steigt das Peterchen, dem der jähe Schreck, als der Wüterich so hinterm Busch hervorsprang, denn noch arg in die Glieder gefahren ist, schnaufend zum Dörfchen Mahlberg hinan.

St. Michael hab Dank! wiederholt es freudigen Herzens wohl hundertmal. Jäh hält er inne: Hab ich auch allzeit in deinem Angesichte gewandelt? seufzt das Peterchen, das reine Unschuldslämmchen. Hab ich dein heiliges Antlitz auch nie beleidigt?

Ach, immer wollte ich im Gymnasio der Erste sein. Ja, mich fraß der Neid! Und reuevoll schlägt es sich wie beim Confiteor an die Brust. Und ich bin aufgestanden mit einem Satz beim Morgenglöckchen, wie's der Rektor befiehlt? Ach, noch einmal hab ich mich rumgewälzt!

Und ein Naschmaul war ich auch, ein arges. Die dicken Bohnen mit Speck, sie schmeckten so gut!

Zerknirscht erweckt das Peterchen - es ist indessen am ei -stet) wüsten Häuschen von Mahlberg angelangt - Reue und Leid. Ja, sonst hilft er uns nicht. Denn rein wie der Schnee müssen wir sein.

“Wohin willst du, Rotzlöffel?” schreit eine grinsende Hexe, die in einem Schweinestall kampiert. “Auf den Michelsberg” antwortet unschuldig das Knäbchen. “Hahaha!” hohnlacht die Alte, “da ist der Teufel mit tausend anderen im Quartier! Die schneiden dir Hals, Nase und Ohren ab! Und der Michel, hahaha! der kann dir nicht helfen!”

Damit macht sie ihm eine unflätige Grimasse. Da läuft das Peterchen, läuft, läuft in sinnloser Angst. Gradwegs den steilen Buckel des Berges hinauf. Den Daniel hat er wunderbar aus der Löwengrube errettet, ruft das Peterchen sich immerfort zu. Und so steht es endlich vor der offenen, nackten Kapelle. Keine Bank mehr, kein Altar! Was die Lothringer übriggelassen, das zerschlugen die Franzosen. Ringsum ein Greuel der Verwüstung. Ha! Was ist das tief drunten im Tal? Roter Feuerschein lodert zu den Waldbergen empor. Das Städtchen brennt! Die Franzosen haben's wahrgemacht. An allen vier Ecken haben sie's angezündet! Da fällt das Peterchen mit beiden Knieen auf den nackten, kalten Stein, hoch liebt es zu innigem Flehen die Hände:

“Ach ich bin ein großer, großer Sünder, St. Michael!”

Drum ist's dir so schwer, das weiß ich, mir zu helfen, der ich nicht in deinem Antlitz gewandelt bin, der ich dein heiliges Antlitz beleidigt habe.

Aber dieses eine Mal, dieses einzige Mal mußt du mir helfen!

Du milder, du starker St. Michael! Das Peterchen springt auf.

Klang da so fröhlich das Glöckchen im Turm? Und das Peterchen läuft, läuft, läuft .....

Den steilen Berg hinab, Hals über Kopf Durch den finsteren, unheimlichen Wald. Zwischen abmarschierenden Soldaten hindurch. Schwer bepackt sind sie, als ob sie abrückten. Auf Nimmerwiedersehen. So winken sie auch. Hu! und da sitzt der böse Colonel prächtig auf stolzem Schimmel! Ei, und er salutiert mit dem Degen. Vor dem Peterchen! So scheint's wenigstens.

Das Peterchen stürzt durch das Tor.

Auf dem Markt, vorm Rathaus knieen die Bürger, die Patres und die Stiftsherren kunterbunt, aber einträchtig auf dem bloßen Pflaster.

Von allen Kirchen jubeln's die Glocken. Das Städtchen ist wunderbar gerettet! Schon hatten die Franzmänner die Burg angezündet.... Schon wollten sie an den vier Ecken das Feuer anlegen....

Da blies plötzlich auf dem Markt die Trompete: Abrücken! Tout de suite! A la marche! Wie ein Spuk waren sie verschwunden!

Da umschlingt der Pater Rektor wie irr jäher- Erleuchtung vor allem Volk sein Peterchen:

“Und du Peterchen, hast uns gerettet!”

Das Peterchen aber schlägt wie beim Confiiteor an seine Brust.

Dann aber jauchzt es mit hellem, frohem Stimmchen: “Nicht ich, St. Michael, der milde, starke Streiter, hat uns alle gnädig errettet!”

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